27. Dezember 2015

"Reden wir mal über's Wetter"

Kaum zu glauben, aber es schneit. Es reicht aus, die Wege weiß und schlüpfrig zu machen. So wie steter Tropfen den Stein höhlt, ergeben viele Flocken eine geschlossene Schneedecke, dort wo es flach und eben ist. Das braune Herbstlaub bekommt gnädigerweise einen weißen "Zuckermantel". Wir dürfen uns in Schweden vielleicht auf etwas hellere Nächte freuen, wenn der Schnee liegen bleibt.



Zugegebenermaßen ist es eine kleine Überraschung, denn vorhersagemäßig war da nichts in Sicht. Und eigentlich mag ich dieses innere Spiel "Winter oder Nichtwinter", nicht mehr mitmachen. Es kommt, wie es kommt.

Als Bienenfreundin ist es mir jedoch nicht ganz egal. Aus gegebenem Anlass, die Bienen flogen bis vor einigen Tagen, also im Dezember, tatsächlich noch im Garten, habe ich mich konsequenterweise, vorerst gedanklich, um natürliche Futterquellen gekümmert. Die natürlichste aller Futterquellen sind Blüten. Und da beginnen die Geister "quer zu fühlen", denn Winter - Schweden - Blüten scheint auf den ersten Blick wie die Quadratur des Kreises.

Blicken wir jedoch auf die vergangenen Wochen, so ist das Ansinnen gar nicht mehr so absurd. Es war so warm wie noch nie, das können sicher viele bestätigen. Meine Idee war, Winterblüher zu setzen. Das Wort ist selbsterklärend.

Da ich meist auf deutschsprachigen Internetseiten recherchiere, gibt es einige Faktoren mehr zu berücksichtigen.

In Schweden werden Pflanzen nach sogenannten Vegetationszonen verkauft. Wir wohnen gerade noch (weil am Meer) in Zone 1. Ein paar Kilometer landeinwärts beginnt Zone 2 bereits. Dort sind die Temperaturunterschiede Sommer/Winter größer. Die Aufgabe ist also, eine winterblühende Pflanze zu finden, die das Schwedenklima verträgt.

Es geht mir darum den bestäubenden Insekten, wenn sie denn durch anhaltende Wärme nach draußen gelockt werden, Nahrung anzubieten, die quasi per eingebauten Knopfdruck (=Wärme) zur Verfügung steht. Überraschenderweise gibt es da etwas.

Japan, das durch seine langgezogene Nord-Südlage über mehrere Klimazonen verfügt, bietet Möglichkeiten. Und so fremd, wie man meint ist die Hamamelis japonica, auch bekannt als Zaubernuss, den meisten von uns nicht mehr. Aber sie ist eine echte Hilfe, wenn es um das Überleben der Bienen in dem sich ändernden Klima geht.




26. Dezember 2015

Oldman Nico - God Bless You ...

...  klingt, nach einem etwas derben, aber gutmütigen Namen für den Nikolaus.

Trotz mancher Verwirrung, die die Kunstfigur des Weihnachtsmann gestiftet hat, ist der Nikolaus in etlichen europäischen Ländern nicht in Vergessenheit geraten. Dazu gehören die Niederlande, von alters her ein seefahrendes Volk, das in Nikolaus den Schutzheiligen der Seeleute verehrt.

In modernen Zeiten beschützt auch "Oldman Nico" die Seeleute, denn es ist der Name einer Radiostation im niederländischen Katwjik aan Zee, am Ärmelkanal, einer der meistbefahrenen Schifffahrtsstraßen, die es gibt. Sie versorgt die Schiffsmannschaften mit Informationen zu den Wetterverhältnissen und Störungen im Schiffsverkehr.

Als man mit Segelschiffen die Weltmeere befuhr hatte man wenig technische Hilfsmittel zur Verfügung. Die Seefahrt war mehr noch als heute ein gefährlicher Beruf. Und es wundert nicht, dass man sich damals eng mit dem eigenen Glauben in Verbindung fühlte. Der Begriff der "christlichen Seefahrt" entstand.

Das Votivschiff, das hier an der Decke eines Seiten-SCHIFFES der St. Gertrudskirche hängt macht gleich auf mehrfache Weise deutlich, wie eng verknüpft das Seefahrerhandwerk mit der Religion gewesen ist.


Die Nähe zum Meer dokumentiert aber auch das Stadtwappen meiner Wahlheimatstadt. Schiffe, wo man geht und steht. Aber wie könnte es auch anders sein mit dem Meer vor der Haustür.


Das Schiff ist nicht nur Transportmittel, sondern auch ein altes Kultursymbol. Schweden wurde von See her "erobert", Steinritzungen zeigen Schiffe und im Totenkult sind Schiffssetzungen bekannt und heute noch zu sehen.

Der Begriff des Seelenverkäufers für Himmelsfahrtskommandos auf seeuntauglichen Schiffe verweist auf einen engen Zusammenhang mit der Seelenreise!

Aber wie bekomme ich jetzt den Bogen zum Weihnachtsfest hin?

 Ach ja, da wäre noch eines meiner Lieblingslieder, das da heißt: "Es kommt ein Schiff geladen...". Ein uraltes Lied, handschriftlich bereits Mitte des 15. Jahrhunderts erwähnt (einer der handschriftlichen Belege stammt aus den Niederlanden.)

In manchen Schriften heißt es, es beziehe sich auf die wertvolle Fracht. Das Schiff stünde als Symbol
für die Kirche. Wie dem auch sei, letztendlich klären lassen sich solche Fragen selten und als ich gestern meinen Weihnachtsspaziergang am Meer gemacht habe, wurde mir die Verbundenheit zwischen Gott, Mensch und Meer mehr als bewusst.







Mehr Bilder von Dingen zwischen "Himmel und Erde" gibt es samtags bei Katja und "In Heaven"


25. Dezember 2015

Betrachtungsweisen

Außen : Weihnachten bekommt man Geschenke
Innen :  Weihnachten ist Geschenk 

Außen : Das Christkind und Jesus von Nazareth
Innen :  Das Christkind ist Jesus von Nazareth

Außen : Ab Weihnachten werden die Tage heller
Innen :  Durch Weihnachten werden die Tage heller

Außen : Weihnachten mache ich etwas 
Innen :   Weihnachten macht etwas mit mir

Außen : ICH feiere Weihnachten
Innen : Mein HERZ feiert Weihnachten




... wünsche ich von Herzen allen, die oft oder gelegentlich hier vorbei kommen.

Liebe, Mitgefühl, Freude und Gleichmut sind meine Wünsche für Euch
nehmt Euch etwas mit, am besten alle vier!

GOD JUL

Beate

24. Dezember 2015

Mit Kinderaugen - Memories

Habt ihr in Kindertagen auch versucht mit einem Blick durchs Schlüsselloch das Christkind zu sehen, wie es den Weihnachtsbaum bringt und all die Wünsche in Form von Geschenken unter den Lichterbaum legt?

Ich hatte Herzklopfen dabei, weil es eigentlich verboten war. "Wenn das Christkind das merkt, nimmt es die Geschenke wieder mit", sagte meine Mutter. Dabei war mein Herzenswunsch nicht, die Geschenke auszuspionieren, nein, ich wollte das Christkind sehen, das nach Aussage meiner Eltern goldene Locken hat, ein weißes Kleid trägt und einen Strahlenkranz um den Kopf hat.

Das Christkind, das die Geschenke brachte, hatte für mich nichts mit dem Kind in der Krippe zu tun. Irgendwie brachte ich damals die Verbindung noch nicht zustande. Arme Kinder können nichts verschenken. Ganz im Gegenteil, das Kind in der Krippe brauchte meine Fürsorge! Ich war Feuer und Flamme für den Gedanken, das Kind aus dem windigen Stall herauszuholen.

Und wie ich für das Kind in der Krippe sorgte! Kleine Kinder müssen viel schlafen. Das wußte ich, weil ich eine kleine Schwester hatte. Also nahm ich das Jesuskind kurzerhand aus dem Stall, legte es in die Zweige des Weihnachtsbaumes, dort wo eine Kerze weiches, warmes Licht verbreitete. Vorsichtig bewegte ich den Zweig hin und her und wiegte in meiner Phantasie das Jesulein mitsamt seiner Krippe in den Schlaf.

Ich wiegte aber nicht sanft genug. Mit einem leisen "pitsch" fiel eine der Glaskugeln zu Boden, die mir die Schaukelei übel nahm. Sie zerbrach in ein Dutzend kleiner blinkender Glasscherben und mit ihr, vor Schreck, das fürsorgende Gefühl. Ein Zwiespalt tat sich auf.

Eilig stellte ich die Krippe mit Kind in den Stall zurück, sammelte die Scherben auf und bat das Christkind, das mit den goldenen Locken, es möge doch machen, dass die Mutter die fehlende Glaskugel nicht bemerkt.

Sie hat nichts gemerkt. Aber das Jesulein im Stall hat ein ganzes Jahr auf meine Betreuung warten müssen.



22. Dezember 2015

Alle Jahre wieder ... ?

"Bist du in Rom, "mach' es" wie die Römer" - und bist du in Schweden, mach' es wie die Schweden ... mit einem Wort "angepasst", klar, oder?

Das Wort "angepasst" mag Manchem aufstossen, aber um der eigenen Integration auf die Sprünge zu helfen und nicht gerade "aus dem Rahmen zu fallen" ist es ratsam, sich in gewisser Weise einzuordnen, wenn man heimisch und nicht kontaktlos bleiben will. Es sind ja immer die Menschen, die einem einen Ort zur Heimat werden lassen.

Trotzdem kann es mal passieren, dass man neue Strömungen verpasst.

So ging es mir kürzlich, als ich unterwegs war Grußkarten mit Weihnachtsmotiv zu kaufen. Nach dem zweiten Geschäft fiel mir auf, wie wenig auf diesem Gebiet im Angebot war. Ich fand alle möglichen Rubriken von A wie Ansichtskarte bis Å wie Årstider, aber unter J wie Julkort war die Auswahl mickrig bis nicht vorhanden.

Es war mysteriös!

Ich kam zu dem Schluß, dass man sich wohl irgendwie geeinigt hätte (so etwas könnte hier rein theoretisch schon mal reichsübergreifend passieren), der Weihnachtskartenflut Einhalt zu gebieten. Weihnachten ist für die schwedische Post wie die Erntezeit für den Bauern, harte Arbeit. Ganz zufriedenstellend fand ich die Auflösung des Rätsels allerdings nicht.

Unsicherheit machte sich breit und ich fühlte mich genötigt Initiative zu ergreifen, um dem Ganzen auf die Spur zu kommen. Je verschlossener eine Gesellschaft auftritt, desto wichtiger ist es die "codices", die unausgesprochenen Regeln einer Gesellschaft direkt zu hinterfragen. An geeigneter Stelle versteht sich.

Als wir neulich zum Essen eingeladen waren, konnte ich meine Zweifel "an die Frau" bringen und erfuhr, ich war lediglich etwas spät mit dem Einkauf dran, weil wir ja lange in Deutschland waren. Die Meisten hatten die Weihnachtspost bereits erledigt. Stolz präsentierte mir die Dame des Hauses ihre Liste. In diesem Jahr hatte sie fünfzig Karten an Verwandte, Freunde und Bekannte geschrieben und eine davon an uns. :-)




19. Dezember 2015

Himmelskörper

14 Lichtjahre klingt wenig, es sind aber schwindelerregende 132 Billionen 451 Milliarden 200 Millionen km. Das habe ich spasseshalber mal "zu Fuss" ausgerechnet. Mit solchen Größenordnungen hantiert die Astronomie und verwendet dafür arbeitssparende "Kürzel".

14 Lichtjahre, so weit ist der Planet (Wolf 1061c) entfernt, den australische Wissenschftler als erdähnlich entdeckt haben. 3x größer als unsere Erde und genau wie diese um eine Sonne kreisend.

Um Menschen dort anzusiedeln, was in der Zukunft für den wesentlich näheren Mars geplant ist, müssten mehrere Generationen an Bord eines (herkömmlichen) Raumschiffes leben. Und natürlich wäre es wichtig die Reisezeit enorm zu verkürzen.

Aber wer weiß, vielleicht ist der Planet ja schon besetzt?

Vor Kurzem machte ich jedenfalls eine Entdeckung, als ich den feuerroten Sonnenuntergang aus dem Schlafzimmerfenster beobachtete.

(Das Ganze bitte jetzt mit einem Augenzwinkern betrachten :-))








mehr Himmel ist bei Katja und "In heaven" zu sehen.

17. Dezember 2015

Im Zeitraffer

Es ist und bleibt ein seltsames Gefühl, wenn draußen die Nacht herrscht, der Blick auf die Uhr aber verrät, es sei gerade mal 16 Uhr. Nicht, dass es mich besonders stören würde, aber es ist anders, als all die Jahre.

Anders, weil der Gegensatz zwischen alter Heimat und Wahlheimat so krass ist. Im nordischen Winter vergeht das Tageslicht gefühlt im Zeitraffer. Geläufige Tagesstrukturen werden zum Unsinn, der Nachmittagsspaziergang im Dunkeln ist nur ein-, zweimal wirklich interessant.


Aber draußen sein, das ist im Winter ein Muss. Vertut man die helle Zeit drinnen, fällt einem schnell "die Decke auf den Kopf". Kurzerhand werden also die Alltäglichkeiten vertauscht: Spaziergang am Mittag und Mittagessen am Spätnachmittag! Vielleicht ist das der Grund, warum das schwedische Abendessen "middag" heißt? 

Heute zieht es uns gegen 11 Uhr Richtung Bucht. Dort drapiert sich das Städtchen malerisch am Ufer des Ostseefjords. Nach den warmen Tagen, Anfang Dezember, ist das Wasser noch offen.  Ich brauche nicht lange warten, bis ich von einer Reihe Stockenten umringt werde. Die Wasservögel betteln aus Gewohnheit um Futter. Dagegen sind die Möwen Energiesparer. Sie bleiben dösend auf ihren Ruheplätzen.




Ein Stück weiter, Richtung Fischermarkt, kommt eines der Wahrzeichen in Sicht. Das alte Badehaus, ein Gebäude aus der Jugendstilzeit. Es fehlt auf keiner Postkarte ... außer denen mit Elch! Ich mag das Haus und seine freundliche Farbigkeit und habe es deshalb wohl schon ein Dutzend mal fotografiert.


Im Bootshafen auf der anderen Fjordseite herrscht gähnende Leere. Bis auf ein einzelnes Ruderboot haben die Liner und Cruiser des Jetset in wärmere Gefilde abgelegt. Bis zum nächsten Sommer.
"Volle Power" schickt das Heizkraftwerk seine Abluftfahne Richtung Osten. Ich denke nur: "Daheim ist es warm"! Und das ist gut zu wissen, denn die frostig-feuchte Luft am Wasser ist eine Spur durchdringender.



Die beste Aussicht über die Stadt genießt man vom Kulbacken. Der kurze, steile Anstieg führt auf eine Inlandschäre, einem Felsenhügel, wie sie typisch für die Landschaft sind. Vorbei am alten Bauernhof im Heimatmuseum, steht man bald am höchsten Punkt. 






Es ist eine kleine Welt für sich, dieser Kulbacken. Hier oben treffen sich: Geschichten und Geschichtliches, Wissenschaft und Handwerk, Natur und Kultur. Mit der Aussichtplattform auf dem Unos Turm befindet man sich dann tatsächlich am höchsten Punkt über der Stadt. Der hat heute geschlossen. Dafür gibt es ihn gleich zwei Mal.


14. Dezember 2015

Apfel, Nuss und Mandarinen ...

... heißt es in diesen Tagen.


Nach allen Unwägbarkeiten unterwegs komme ich allmählich zur Besinnung. Es ist ein willkommenes Gefühl, wenn sich die inneren Antreiber beruhigen und das Leben wieder dem
Dahinfließen folgt.

Und eigentlich gibt es für das Ankommen nichts Besseres, als die Beschäftigung mit den Traditionen.


So schrieb ich schon vor sieben Jahren in meinem Blog "Von Wegen einfach", als wir im Advent 2008 in unsere Wahlheimat zogen: "Ankommen im Advent" ...

Längst sind die Gepflogenheiten der Wahlheimat selbstverständlich, auch wenn die Umstellung jedes Mal ein paar Tage dauert. Längst suche ich mein Heil darin, mit Kleinigkeiten "den Weg zum Fest" zu finden, den Weg zum Licht: Vier Kerzen, die für mich der Ausdruck für Liebe, Mitgefühl, Mitfreude und Gleichmut sind.

Die Adventszeit - Dunkelzeit, ich frage mich schon lange, wer wohl daran dachte, die Häuser unserer Stadtrand-Siedlung  s o  zur Wintersonne auszurichten: Am Vormittag schleicht eine Sonnenhälfte



entlang der Dachfirste der Häuser gegenüber, bleich und müde zwar, aber sie ist zu sehen. Dass das der Tieststand der Sonne ist, bemerkte ich erst im Laufe der Jahre. Kurz nach Mittag verschwindet die Sonne hinter Bäumen und bald auch unter dem Horizont. Aber, ab da geht es wieder aufwärts, denn ...

an Weihnachten ändert sich die Lage, dann leuchtet der Hoffungsschimmer in Form des Weihnachtsbaumes und der langsam länger werdenden Tage.


Gestalten ist meditatives Tun. Schmuck findet sich gleich vor meiner Tür: Kiefernzweige, Tannenzapfen, Äpfel,- Naturgeschenke. Die vier roten Stumpenkerzen habe ich aus Deutschland mitgebracht. Sie stehen in einem ehemaligen Brotkorb für Baguette. Der übrige Platz wird mit den Zweigen, Zapfen und Äpfeln ausgefüllt.


Und nur ein paar Minuten mehr kostet es, aus duftenden Mandarinenschalen das Zeichen der lichtvollen Liebe auszustechen, dem Mittelpunkt allen Feierns und dem Ziel aller Hoffnung.




11. Dezember 2015

Die Dosis macht das Gift

"Alle Dinge sind Gift und nichts ist ohne Gift. Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist".

Dies wusste Theophrastus von Hohenheim (geb. 1493), besser unter dem Namen "Paracelsus" bekannt (Wiki). Und wer könnte dem nichts hinzufügen, über die geläufigen "weißen Gifte" Zucker und Salz, deren Auswirkungen, je nach Menge, allzu bekannt sind?

Jeder ist mit dem Problem konfrontiert, die Menge von Allem zu bestimmen. Wieviel wovon darf tagtäglich auf uns als Individuum einwirken? Die Frage schließt auch Dinge ein, die uns nicht als Nahrungsmittel dienen und auf die wir keinen direkten Einfluss haben.

Das kleine Wörtchen "zu" spielt die Hauptrolle. Nicht nur das "Zu-viel", sondern auch das "Zu-wenig" kommt als unverträgliche Dosis in Frage. Es ist schwierig, die Balance zu halten und in letzter Konsequenz bedeutet es für jedes Individuum "Gedeih oder Verderb".

Ganz so tragisch wird es wohl in unserem Fall nicht sein ... .

Da flatterte während unserer Abwesenheit ein Schriftstück mit roter Riesenüberschrift "Radonmätning" ins Haus. Demzufolge sollte eine von der Gemeinschaft bestimmte Firma Messungen in den Wohnräumen vornehmen. Die Nachricht über die Maßnahme kam per Telefon. Ein Freund leert in Abständen den Briefkasten, damit wir auf dem Laufenden sind.

Radon, ein radioaktives, geruchloses Gas, das unter anderem in felsigem Boden vorkommt (Wiki), reichert sich in geschlossenen Räumen zu einem unverträglichen Luft-Gas-Gemisch an. Schlecht für die Lungen! Als wir die Wohnung kauften, wußten wir über die Radonproblematik Bescheid und besorgten uns ein eigenes Meßgerät.

Nun entdeckten die Stadtväter, dass wir, mit unserem Binnensee gleich nebenan, eine attraktive Wohngegend hätten und gaben das Gebiet bis zum See als Baugebiet frei.

Hier in Schweden sitzen wir alle sozusagen auf Felsen. Fast immer muss der Untergrund gesprengt werden, bevor gebaut werden kann. Die Folge sind Haarrisse im Gestein, entstanden durch die Schockwellen der Sprengungen, aus denen dann das Edelgas austreten kann. Technische Sanierungsmaßnahmen müssen das Gas ableiten.

In feiner Dosierung aber und mit Wasser vermischt ergibt sich eine heilende Wirkung. Und dann könnte man ja die Stadtväter (mit einem Augenzwinkern versteht sich) überreden, ein Kurbad nach oberfränkischen Vorbild ins Leben zu rufen. Ungefähr wie auf dem Bild unten. Wir werden also sehen ... ;-)




10. Dezember 2015

Schneewittchen im Advent

So halsüberkopf wir die Reise nach Deutschland vor neun Wochen angetreten haben, so geordnet fand der Rückzug in den Norden statt. Auf der Fähre reisen Wenige mit.

Bevor jedoch das Schiff für uns "die Leinen los macht" gibt es, ziemlich genau auf halber Strecke, "unser" kleines Hotel, in dem wir seit Jahren über Nacht bleiben und wo wir fast wie daheim sind.
In die Innenstadt ist es nicht weit und nach vielen Stunden im Auto tut ein Spaziergang gut.

Die Stadt wartet mit glühenden Lichtern und ..... blühenden Rosen. Vor dem Haus treffen wir auf "Schneewittchen", eine Kletterrose, die sich am Mauerwerk des denkmalgeschützten Backsteinhauses rankt. "Weiß wie Schnee....", so schön sie aussieht, so seltsam wenig kompatibel ist der Anblick ... mit dem Monat Dezember.


Die herzerwärmende Überraschung finden wir am nächsten Morgen im Frühstücksraum. Ungefähr so sahen meine kindlichen Adventsträume früher aus. Wir hatten Glück und an diesem Morgen das adventliche Reich für uns, bevor wir gestärkt die Reise nach Schweden fortgesetzt haben.











6. Dezember 2015

Herzenswunsch

Einer meiner Herzenswünsche ist es, einmal ein Nordlicht (Aurora borealis) zu fotografieren. Fühl und hörbar sollen die wehenden Lichtschleier sein. Spannung liegt in der Luft und ein feines Knistern, sagt man.



Allerdings finde ich dieses Himmelsphänomen so außerordentlich, dass ich mir die Zeit gönne, es manchmal per Webcam zu beobachten. Manchmal, das ist dann, wenn die Nordlichtvorhersage passt.
(auf der Seite nach unten scrollen!)

Im Moment gibt es wieder eine Phase mit intensiverem Nordlicht (das hängt von der Sonnenaktivität ab) und ich möchte mit Euch die Begeisterung teilen und stelle hier meinen Beobachtungslink ein.
Das Bild wird alle 30 Sekunden neu hochgeladen.

Als Zeichen des Himmels ist das Nordlicht seit dem Altertum bekannt. Kriege und Hungersnöte solle es vorhersagen und das Wetter. Allerdings weiß man heute, dass in den Höhen zwischen 15km und 2000km kein Wettergeschehen mehr stattfindet.


PS: Das Bild oben ist kein Nordpolarlicht, sondern wirkt nur so. Es ist ein hochviolettes Wolkenerlebnis kurz nach Sonnenuntergang und das schicke ich samstags zu Katja und

5. Dezember 2015

Waldnächte

Es muss dunkel werden, damit wir das Licht erkennen.

"Nirgends ist es dunkler, als nachts auf hoher See", sagte mir Jemand, der mit seinem Boot den Atlantik überquert hat. Für mich sind Nächte im Wald das dunkelste, das ich kenne und während ich das schreibe, spüre ich, wie ein beklemmendes Gefühl in mir aufsteigt. 

Ich habe aber auch kennengelernt, wie es ist, wenn nur ein kleines Licht das Dunkel heller macht, wie das Auge magisch an diesem einen Punkt festgehalten wird, ihn nicht mehr verliert. Wir suchen in allen dunklen Zeiten nach dem Licht, um am Ende eines Jahres mit dem adventlichen Weg Weihnachten zu finden.









Die Nächte im Wald werden verlinkt mit "In heaven"

4. Dezember 2015

Mit einem guten Gefühl

Manchmal türmen sich im Leben überraschenderweise Begebenheiten zu einem ganzen Berg an Aufgaben auf. Diese abzuarbeiten dauerte seine Zeit. In unserem Fall sieben Wochen. Sieben Wochen, in denen die Dinge, die mein Leben in Schweden ausmacht, sich selbst überlassen waren.

Gäbe es nicht gute Geister, die da und dort eingegriffen haben, wäre Vieles an Arbeit im Garten buchstäblich umsonst gewesen. So sind die Kartoffeln "unter Dach und Fach", die nachreifenden Himbeeren zu Marmelade geworden und mein selbst gezogenes Mispelbäumchen vor dem Frost ins Gewächshaus umgezogen. Und es gab immer wieder die schriftliche Gewissheit: in Haus und Hof ist alles in Ordnung, eine Erleichterung, die gut tut.

So war es möglich, sich den anstehenden Herausforderungen ganz und gar zu widmen, die heute mit einem guten Gefühl zu Ende gebracht werden. Ich freue mich sehr, dass meine fast 90jährige Tante die Herz-Op gut überstanden hat und nun auf dem Weg in die REHA-Klinik ist. Und ich möchte an dieser Stelle auch sagen, dass man ihr diese Op in anderen europäischen Ländern, z.B. in Schweden, trotz ihrer guten Voraussetzungen und ihrer Zustimmung, nicht finanziert hätte. Menschenleben auf einer Höhe mit wirtschaftlichen Berechnungen sind leider keine Seltenheit, zeigt aber das Niveau gesellschaftlichen Miteinanders.



Die betagte Dame ist zum Glück in Deutschland alt geworden und wird das Weihnachtsfest wie "Alle Jahre wieder" in ihrer Wohnung verbringen. Den Ärzten ihres Heimatlandkreises und des Jenaer Universitätsklinikums sei herzlich gedankt!



28. November 2015

Abendvorstellungen (vom Sofa aus gesehen)


Der Vorhang ist noch geschlossen. Bei Tageslicht entpuppt sich die Bühne abendlicher Lichttheater als Erdwall mit Büschen und Bäumen. Die Sicht ist damit zwar begrenzt, aber dahinter verbirgt sich das Areal einer Spedition. Dieser Anblick wäre weit störender.

Die Blickrichtung zeigt nach Westen. Damit ist der Abendhimmel als Motiv für "In Heavens" vorprogrammiert. Programmdirektor ist, wie soll es anders sein "Petrus", der immer wieder für Überraschungen und detailreiches Programm sorgt.

Nach "Feuer und Rauch" vor einiger Zeit,



wurde vor zwei Tagen "Brennender Busch" gegeben (sogar mit Entflammung im Vordergrund), ein brisantes Thema!






26. November 2015

November in Bildern

Der November war geprägt vom Besuch in der alten Heimat. Was zuerst als Genesungsurlaub für mich geplant war (ich entging knapp einem Krankenhausaufenthalt),entpuppte sich im Laufe der Zeit als Not-wendig. Meine alleine lebende Tante (89jährig) sollte sich einer Herzoperation unterziehen.

Aber auch "helfende" Hände brauchen zwischendurch eine Pause. Und so gelang es, seit vielen Jahren nicht besuchte heimische Kleinodien, wieder zu sehen, meist auf Wanderungen, die wir auch im Oktober unternommen haben (ich habe darüber teilweise geschrieben).

November, in diesem Jahr also ein Monat der Extreme auch hinsichtlich der Witterung. Der ausgehende Herbst schmückt sich mit Blumen aller Art, die in den Strahlen der Sonne wieder erblühen. Knackiger Frost lässt zumindest bei uns die Teiche unter einer dünnen Eishaut erstarren. Mit jedem Windhauch tanzen Nebelschleier in den Waldnischen. An manchen Abenden sind lautlos dahin eilende graue Wolken die einzige Bewegung in der Natur.

Bunt sind nicht nur die Wälder. Die Abendhimmel glühen um die Wette und lassen kaum eine Farbnuance auf der Skala zwischen violett und orange aus. Die Trockenheit mancherorts ist beängstigend. Im Kloster Muttodaya, das ganz auf Brunnenwasser angewiesen ist, fällt ein Brunnen trocken.

Hinter all den Bildern stehen einzelne Geschichten und Tage. Keiner ist wie der andere. Jeden als Geschenk zu empfinden, fällt manchmal schwer.

Die Novemberbilder reihen sich bei Birgitt ein.