6. Juli 2015

Nomen est Omen

Und da dachte ich, ich kenne meinen Garten! Nicht nur, dass er mich dieses Jahr mit rot-, rosa- und weißblühendem Fingerhut überrascht hat, es kamen mehrere stattliche Königskerzen und ein kräftig rosafarbenes Malvengewächs dazu.

Ich muss gestehen, es gibt selbst auf 200 Quadratmetern Stellen, die einem mitunter ganz aus dem Blickfeld geraten. So eine ist die hinter Gewächshaus und Pflaumenbaum, die Gartenecke hinten rechts.

Der Koloniegarten ist an drei Seiten mit allen möglichen blühenden Gewächsen dicht bepflanzt. Im vergangenen Herbst habe ich begonnen etwas auszulichten und umzupflanzen. Meist findet sich in einem meiner Gärten noch irgendwo ein freies Plätzchen. Und manchmal melden sich Gartenfreunde, die sich für Überzähliges interessieren.


Ich weiß noch, dass ich gerade diese rechte Ecke in Bearbeitung nahm, vor allem das üppig wuchernde Frauenmantelgebüsch zurechtschnitt und dabei ein pralles Sedumkissen versetzt habe.

Vor ein paar Tagen wurde ich an dieser Stelle auf silberfarbene Kerzen aufmerksam. Völlig artfremd ragten sie seitlich aus dem gelbgrünen Frauenmantel heraus. Ich dachte erst an eine Königskerze, wobei mich die silbrige Farbe irritierte und mich abhielt, mir selbst zu glauben.

Im Laufe der nächsten Tage wurden es immer mehr kerzenförmige Blütenstände und mit der Zeit traten winzige Blüten in Erscheinung in einer traumhaften Farbe zwischen pinkigem Rosa und Lila. Und nicht nur das, das Blumenwunder fühlte sich extrem samtig an, alles, was gewöhnlich bei einer Blume grün ist, trägt "Sommerpelz" und war verantwortlich für das silberglänzende Aussehen. Ich war fasziniert und beschloß sie zu meiner Blume des Jahres zu ernennen. Aber, wer ist die Schöne ?


Als ich zwecks Namensfindung alle Merkmale, die mir in Erinnerung waren, in die Suchleiste eingab, stieß ich ziemlich schnell auf "Stachys byzantina". "Nomen est Omen" und verweist wenigstens auf die Pflanzenherkunft: das südwestliche Asien.


Jetzt weiß ich aber auch, warum "Frau" sich im Showgeschäft einen Künstlernamen zulegt. Als Vamp zieht "Lieschen Müller" eben nicht und hinter "Wollziest" hätte ich keine derartige Blumen-Schönheit vermutet.

Weitere Recherchen ergaben ebenfalls keinen eleganteren Namen. Ich konnte nichts weiter finden, als regional unterschiedliche Bezeichnungen, die mehr Tierisches an sich hatten als Eleganz. Ihre wahren Fans nehmen es gelassen und fliegen dann eben auf  "Hasen-, Esels- und Lammohr", wie die Pflanze auch heißt. Den Bienen und Hummeln ist's nämlich egal und ich brauche kein Autogramm.


Kommentare:

  1. Als "Hasenohren" kenne ich den Wollziest auch und komme nie an einem vorbei, ohne die flauschigen "Öhrchen" ein Weilchen zu streicheln.
    Frauenmantel und Ziest - da fehlt nur noch eine farblich passende Rose... :-)
    Und um die üppig wuchernde Blumenpracht beneide ich dich ein bisschen. Bei mir wuchert bis jetzt vor allem Grünes, Blühendes hat's eher schwer. Kommt hoffentlich im Laufe der Zeit noch mehr.
    Herzlich, Brigitte

    AntwortenLöschen
  2. Die farblich passende, duftende Rose gibt es im Garten schon, aber leider steht die an einem anderen Platz. Blühendes würde ich Dir liebend gerne abgeben! Und, warum tut sich das schwer? Fehlt ihm Licht? Ich hatte so einen Lichtpatienten mit dem Garten bei der Wohnung: Nordlage und Waldrand! Sie haben dann zwei riesige Birken gefällt. Da kommt der Punkt, wo ich im echten Dilemma bin, weil ich Bäume lieber stehen als fallen sehe. Aber jetzt bin ich doch froh, wenn das Licht in den Garten und in die Wohnung flutet :-)

    Grüß Dich herzlich
    Beate

    AntwortenLöschen