11. September 2015

Schönfärberei mit Eichenrinde und Tee

Der erste Wollstrang soll eingefärbt werden. Bei der Auswahl der Pflanzenfärbungen hat man im Frühherbst noch die Qual der Wahl. Die einfachste aller Varianten, aber aus anderem Grund, war: Eichenrinde. Ich hatte sie für medizinische Zwecke in der Apotheke gekauft. In der Zwischenzeit ist das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen. Als Färbemittel taugt sie aber noch wunderbar.

Die Rinde ist bereits zerkleinert. 200gr werden über Nacht in 2l Wasser eingeweicht und am folgenden Tag auf dem Herd erhitzt.

Dazu legt man die Wolle ein, die sich mit erwärmt und dann nicht filzt. Auf 70 Grad färbt die Flotte (das ist das Färbebad) nun vor sich hin. Ab und zu soll die Wolle mit einem Holzstab durch die Färbeflotte gezogen werden. Die Eichenrinde lässt sich später im trockenen Zustand aus der Wolle ausschütteln.


Jetzt überlasse ich erst mal die Wolle in ihrem Bad, ein paar Stunden lang. Über Nacht kühlt das Ganze ab. Am nächsten Morgen bin ich auf das Ergebnis gespannt. Der erste Blick zeigt, es sieht gut aus.

Die Wolle wird gespült, bis das Wasser klar ist. Ins letzte Spülwasser kommt ein Schuss Essig, um die Farbe hervorzuheben. Und das hier ist das Ergebnis: VORHER - NACHHER




Beflügelt vom Ergebnis der ersten Färbung überlegte ich, womit ich, dazu passend, den zweiten Wollstrang färben könnte. Die Antwort war: "Tee".

Ich nahm neulich erstandenen Tee, bei dem ich mir schließlich nicht sicher war, ob er meinen Vorstellungen von einem gesunden Lebensmittel tatsächlich entsprach. Ich köchelte etwa 200gr des trockenen Krautes in 2l Wasser etwa eine halbe Stunde, ließ das Kraut im Sud erkalten. Dann seihte ich das Kraut ab, goß wieder auf zwei Liter Flüssigkeit auf und legte den Wollstrang in das noch kalte Färbebad.

Dann erwärmte ich langsam auf Siedetemperatur, ließ das Ganze auf 70° herunterkühlen (Elektroherd, geschlossener Deckel, Stufe 1) und zog die Wolle mit einem Holzlöffel von Zeit zu Zeit durch die Färbeflotte (das gewährleistet eine gleichmäßige Färbung).

Nach einer guten Stunde ließ ich das Ganze abkühlen.

Der Wollstrang wurde solange gespült, bis klares Wasser zum Vorschein kam. Dem letzten Spülgang gab ich wieder einen Schuss Essig bei.

Voilà



Kommentare:

  1. Guten Morgen Beate,
    dein Blog-Titel-Bild hat mich schon mal sehr angesprochen, ein tolles Foto.
    Ich bin immer wieder fasziniert, wie gut man mit Pflanzen färben kann, deine Wolle sieht klasse aus.
    So zarte Farben!
    VG
    Elke

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  2. Hallo Elke,

    vielen Dank! Ich war auch positiv überrascht über das Ergebnis. Das ermutigt mich zu weiteren Versuchen!

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  3. Mein Vater hat früher immer mal wieder mit Zwiebelschlane, Schalen von Walnüssen etc. gefärbt. Von daher ist mir das Färben mit Pflanzen nicht so fremd. Deine Wollfarben sehen sehr schön aus.

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  4. Die textilen Fertigkeiten der Menschen in Deiner alten Heimat sind ja wohlbekannt und so überrascht es nicht, wenn sich auch Männer damit beschäftigen. Gerade die alten Handwerkskünste sind es wert, auf die ein oder andere Weise, erhalten zu bleiben. Ich habe große Freude daran.

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