17. Dezember 2015

Im Zeitraffer

Es ist und bleibt ein seltsames Gefühl, wenn draußen die Nacht herrscht, der Blick auf die Uhr aber verrät, es sei gerade mal 16 Uhr. Nicht, dass es mich besonders stören würde, aber es ist anders, als all die Jahre.

Anders, weil der Gegensatz zwischen alter Heimat und Wahlheimat so krass ist. Im nordischen Winter vergeht das Tageslicht gefühlt im Zeitraffer. Geläufige Tagesstrukturen werden zum Unsinn, der Nachmittagsspaziergang im Dunkeln ist nur ein-, zweimal wirklich interessant.


Aber draußen sein, das ist im Winter ein Muss. Vertut man die helle Zeit drinnen, fällt einem schnell "die Decke auf den Kopf". Kurzerhand werden also die Alltäglichkeiten vertauscht: Spaziergang am Mittag und Mittagessen am Spätnachmittag! Vielleicht ist das der Grund, warum das schwedische Abendessen "middag" heißt? 

Heute zieht es uns gegen 11 Uhr Richtung Bucht. Dort drapiert sich das Städtchen malerisch am Ufer des Ostseefjords. Nach den warmen Tagen, Anfang Dezember, ist das Wasser noch offen.  Ich brauche nicht lange warten, bis ich von einer Reihe Stockenten umringt werde. Die Wasservögel betteln aus Gewohnheit um Futter. Dagegen sind die Möwen Energiesparer. Sie bleiben dösend auf ihren Ruheplätzen.




Ein Stück weiter, Richtung Fischermarkt, kommt eines der Wahrzeichen in Sicht. Das alte Badehaus, ein Gebäude aus der Jugendstilzeit. Es fehlt auf keiner Postkarte ... außer denen mit Elch! Ich mag das Haus und seine freundliche Farbigkeit und habe es deshalb wohl schon ein Dutzend mal fotografiert.


Im Bootshafen auf der anderen Fjordseite herrscht gähnende Leere. Bis auf ein einzelnes Ruderboot haben die Liner und Cruiser des Jetset in wärmere Gefilde abgelegt. Bis zum nächsten Sommer.
"Volle Power" schickt das Heizkraftwerk seine Abluftfahne Richtung Osten. Ich denke nur: "Daheim ist es warm"! Und das ist gut zu wissen, denn die frostig-feuchte Luft am Wasser ist eine Spur durchdringender.



Die beste Aussicht über die Stadt genießt man vom Kulbacken. Der kurze, steile Anstieg führt auf eine Inlandschäre, einem Felsenhügel, wie sie typisch für die Landschaft sind. Vorbei am alten Bauernhof im Heimatmuseum, steht man bald am höchsten Punkt. 






Es ist eine kleine Welt für sich, dieser Kulbacken. Hier oben treffen sich: Geschichten und Geschichtliches, Wissenschaft und Handwerk, Natur und Kultur. Mit der Aussichtplattform auf dem Unos Turm befindet man sich dann tatsächlich am höchsten Punkt über der Stadt. Der hat heute geschlossen. Dafür gibt es ihn gleich zwei Mal.


Kommentare:

  1. Vielen Dank für den Spaziergang, so habe ich einen kleinen Einblick über Schwedens Tagesablauf bekommen. Sind die Geschäftsleute auch darauf eingestellt, dass die Menschen lieber TAGShell unterwegs sein wollen, ich meine in der Natur. ::))
    Lieben Gruß von
    heiDE

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  2. Nein, liebe Heide, Arbeitnehmer haben arbeiten statt spazieren zu gehen, wie in Deutschland auch. Dafür nehmen sich Viele Urlaub im Winter um wenigsten zwei oder drei Wochen Tageslicht satt zu bekommen (sehr oft in Thailand). Alles in allem ist der Winter kein Zuckerschlecken und wird leicht unterschätzt in seinen Auswirkungen auf die Gesundheit.

    Liebe Grüße
    Beate

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  3. Early December was unusually warm here but it turned to the chill of winter suddenly today. The days are getting shorter and darkness is fallen before 5. Looks like much later than your place. I can’t imagine how the lack of sunlight affect people’s emotion. I like your photos which show simple, true beauty of this world. Thanks for your visit,

    Yoko

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  4. Tolle Bilder! Hier hat es überhaupt keinen Schnee, es ist viel zu warm für Dezember.
    VG
    Elke

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  5. Liebe Beate,
    schöne Eindrücke sind das und so ist es wieder anders wie bei mir, nichts frostig eher kommt man da schnell ins Schwitzen bei den Temperaturen und die Dunkelheit ob morgens noch oder Nachmittags stockdunkel ist. Mich wundert es dass es erst noch so früh ist...wenn man bedenkt gestern Abend um 20 Uhr war es 11 Grad und geht ohne Mütze und Jacke auf weil kein Wind weht in der Nacht 10 Grad.
    Da wirkt bei dir shcon viel Weihnachtlicher wie bei uns draussen.
    Ich wünsche dir einen schönen 4. Advent!
    Lieben Gruss Elke

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