12. Januar 2016

Mispelexperiment Teil 2: "Gesucht wird" ...

Die Geschichte begann mit einer Fahrt nach Linköping 100km nordwestlich von hier. So geschehen im Juni 2012.

Die Atmosphäre in der weltoffenen Universitätsstadt reizt mich immer wieder. Ob Indisch oder Französisch essen, im Bräustüberl ein Münchner Bier trinken oder auf dem Obst- und Gemüsemarkt einkaufen, es ist eine andere, lebhaftere Welt.

Genau dort, nämlich auf dem Markt, sah ich damals eine Steige Früchte, die mir mit ihrer Ähnlichkeit zu Aprikosen ins Auge stachen. Aprikosen gehört zu meinem Lieblingsobst. Aus reiner Neugier war bald eine Tüte Mispeln, das stellte sich beim Kauf heraus, im Korb verstaut. Tatsächlich haben Mispeln geschmacklich eine gewisse Ähnlichkeit mit den geliebten Aprikosen. Übrig blieben nach dem Verzehr schließlich die dunkelbraunen glänzend-glatten Kerne.

Gerade, als ich die Kerne im Abfall verschwinden lassen wollte,
11. Juni 2012
regte sich mein "grüner Daumen". Ich fischte sechs davon wieder heraus, wusch sie ab und steckte sie, jeden für sich, in einen Topf mit Gartenerde. Ich war gerade begeistert davon, alle möglichen Pflanzen aus Samen zu gewinnen, da durfte es auch mal was Exotisches sein.

Es kam eine lange Wartezeit, in der ich mir bald nicht so sicher war, überhaupt ein Pflanze zu Gesicht zu bekommen, bis ich eines Tages drei kleine grüne Knoten, halbversteckt in der Erde,
bemerkte. Etliche Tage später bestätigte sich, dass da Blättchen zum Vorschein kamen. Es dauerte nochmals ein paar Wochen bis sich das Resultat von kleinen Mispelbäumchen zur Gänze zeigte. Ich war begeistert.

18. August 2012
Die Entwicklung der sechs vollzog sich von Anfang an sehr unterschiedlich und bald war klar, dass sich nicht aus allen sechs Kernen Bäumchen entwickeln würden.
Die Winterzeit verbrachten die Pflanzen im Warmen. Wie man sieht waren es irgendwann noch drei Winzlinge, die bis zum Ende des Winters beträchtlich an Größe zugelegt hatten.

23. Februar 2013
"Etwas Grünes braucht der Mensch" und damit verband ich die Hoffnung auf Genesung für einen Bekannten, der unterdessen schwer erkrankte. Bei einem Besuch verschenkte ich eines der Bäumchen. Mit Wehmut denke ich an die Freude zurück, die das Bäumchen bei dem Garten- und Naturfreund auslöste.

Für die zwei übrigen Bäumchen ging das Sommerleben im Garten hinterm Haus weiter. Sommer und Sonne hatten ihren Anteil am Wachstum für den regelmäßigen Regen hatte ich zu sorgen. So waren aus den kleinen grünen Knoten nach einem gutem Jahr ansehnliche kleine Bäume geworden.

31. Juli 2013
Im August des gleichen Jahres kam ein weiterer Garten in meine Obhut, einer von der Größe, die wirklich Zeit und Arbeit erfordern. Innerlich war das Projekt "Mispel" erfolgreich abgeschlossen, wobei das Wort "abgeschlossen" stets ein holpriges Gefühl hinterließ. Ich wußte von Anfang an, die Bäumchen würden in Zukunft weder in Töpfen noch in Schweden überleben.

Diese Tatsache schob ich vor mir her, während die Bäumchen im Sommer draußen und im Winter drinnen vor sich hin wuchsen. Deutlich zeigten sie mir, wann sie es wünschten umgetopft zu werden, dass sie es liebten im Winter recht oft ein Duschbad zu nehmen, der Feuchtigkeit wegen (die Wohnung zeichnet sich durch sehr trockene Raumluft aus und das mögen sie nicht.)

Der Winter 14/15 kostete das Leben eines weiteren Bäumchens. Es erholte sich nicht mehr von dem drastischen Laubverlust. So blieb das letzte Mispelbäumchen, das bisher durch den milden Winter im Gewächshaus bleiben konnte und erst neulich in die Wohnung umzog.

Der Liegend- Autotransport des inzwischen auf knapp einen Meter (ohne Topf) gewachsenen Bäumchens hat deutlich gezeigt, der große Umzug der "Japanischen Wollmispel" steht unmittelbar bevor. Nachdem ich mich endlich auch um die genaue Artbestimmung gekümmert habe, ist klar, auch in meiner alten Heimat ist ihr zu kalt.

Gesucht wird ein Heimatgarten für den Wärme liebenden Baum, solange er noch eine transportfähige Größe hat.


6.Januar 2016

Kommentare:

  1. Ach, wie gerne würde ich dein Mispelbäumchen übernehmen. Nur fürchte ich, ist ihm das hier bei uns auch noch nicht warm genug. Sehr bedauerlich! Möge er eine passende, neue Heimat finden. Liebe Grüße.

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  2. ... und wie gern würde ich ihn Deiner Obhut überlassen!. So etwas funktioniert vielleicht mal, wenn dem Klimawandel "durchschlagender Erfolg" beschieden ist. Das sind zwei Seiten einer Medaille. Ich kenne noch Jemanden aus dem Rheinland. Eine Anfrage steht aber noch aus.

    Ich finde Deine Bereitschaft aber ermutigend. Ein herzliches Danke dafür!

    Viele Grüße
    Beate

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  3. Ich wäre gerne Pate, geht ja aber nicht.
    Wünsche Dir und der Mispel Glück
    Lieben Gruß
    Katala

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    1. Danke,liebe Katala, auch für Deine Bereitschaft zur Unterstützung.

      Beste Grüße
      Beate

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  4. Schade dass du ihn nich tbehalten kannst so viel Zeit und Aufwand und Liebe ihm gegeben hast!Ich hoffe es findet sich jemand... und wie verschickst du ihn denn dahin!!!
    Lieben Gruss Elke

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  5. Ich habe seit Kurzem Verwandte im Rheinland. Vielleicht haben die Möglichkeiten die Mispel im Garten unterzubringen. Dort wäre es warm genug. Etwas Frost verträgt eine Mispel. Bisher kann man ihn noch im Auto transportieren. Und ich würde die Mispel zu ihrem, dann endgültigen Standort, bringen.

    Herzlich an die Nordsee
    Beate

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  6. Eine schöne Idee dem Mispelbaum eine neue Heimat zu geben- bloggen verbindet::))
    Leider ist es auch bei mir im bergischen Land -grenz-Ort zu kalt. Ich habe vor Jahren viele mediterane Pflanzen wie Oleander, Zitrus, >Lorbeer; Olivenbaum verschenkt, weil es auf dem Balkon einfach zwischendurch zu kalt und windig war. <jetzt steht auf dem Balkon ein Bambus, unverwüstlich !!!
    Gruß von
    heiDE

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  7. Die sieht gut aus, die Mispel, schön kräftig und grün. Wir haben hier (Heilbronn) ja Weinbauklima, ich weiß nicht, ob das reichen würde? In der Gärtnerei am Ende der Straße hatten sie letztes Jahr kleine Feigenbäumchen im Angebot, die Gärtnersfrau meinte auf meine Frage, man könne sie hier gut im Garten ziehen, aber die Früchte würden kaum in größerer Zahl ausreifen. Die Rheinebene ist wohl doch noch einen Tick wärmer!
    Übrigens habe ich schon einmal Mispelmarmelade gegessen - schmeckt gut!
    Grüß dich,
    Brigitte

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  8. Hallo Heide,
    Bambus, den hat ein Freund von mir sogar auf dem Waldhof gepflanzt. Auch dazu fällt mir wieder Japan ein. Auf der Nordinsel ist der Bambus oft tief verschneit und sieht dann fast ein bißchen kurios aus. Auch Dir Danke die Überlegung zum Platzangebot. Ich werde mal sehen, ob ich ein warmes Plätzchen finde, damit er keine kalten Füße bekommt.

    Lieben Gruß
    Beate

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  9. Hallo Brigitte,
    in Wahrheit ist die Mispel jetzt nicht mehr so schön wie im Herbst, bevor sie ins Gewächshaus umzog. Der ständige Licht- und Temperaturwechsel macht ihr zu schaffen. Ich hoffe zuerst, dass ich sie durchbringe, bis sie wieder ins Gewächshaus zurück kann, das ja unbeheizt ist. Ich bin noch nicht sicher, ob ich sie beim nächsten oder übernächsten Deutschlandbesuch mitnehme.
    Kann Dein Garten oder wo auch immer Du gedacht hast, im Falle eines Falles, einen Zuzug vetragen. Die Wollmispeln können mehrere Meter hoch werden.
    Den Kontakt in der Sache würde ich sehr gerne aufrechterhalten, weil mir die Heilbronner Gegend klimamäßig in Frage zu kommen scheint. Lass es Dir mal durch den Kopf gehen. Es eilt noch nicht.

    Grüße aus dem eiskalten und -glatten Schweden
    Beate

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