22. Februar 2016

Weißes Gold

Heftiger Wind weht feinste Regenschleier über die Wiese,- keine Lust auf lange Laufrunden, aber auch nicht, daheim zu bleiben. Lust zu sehen und zu staunen!

Weißes Gold,
 diesmal nicht Salz, sondern
PORZELLAN.


Manchmal entstehen Blogbeiträge durch die Anregung in anderen Blogs. So geschehen durch einen Beitrag von Heide in ihrem Blog "Heidekind". Das Hutschenreuther Service, das ich geerbt habe, dürfte nach meiner Recherche ungefähr 110 Jahre alt sein. Es ist nichts Besonderes, trotzdem interessant, Details genau zu kennen. Museal sollte es eigentlich gar nicht werden. Ich "landete" schließlich auf der Internetseite des Porzellanikons, das ist nicht ein Porzellanmuseum, sondern d a s Porzellanmuseum Europas mit zwei Standorten, einem in Hohenberg/Eger ganz nahe der tschechischen Grenze und einem im nahegelegenen Selb.

Man sagt, Oberfranken sei das Land mit dem dichtesten Netz an Brauereien. Das kann gut sein, es gab/gibt kaum einen Ort ohne. Mit den Porzellanfabriken und - manufakturen scheint das ähnlich zu sein. Die Zeit der Billigimporte hat der Porzellanindustrie arg zugesetzt. Ausnahmen sind technisch/medizinische Porzellane und Weiterentwicklungen.

Porzellan aus Oberfranken wurde früher in alle Welt verschickt. Während meiner Schulzeit arbeitete ich in den Ferien manchmal mehrere Wochen in einer Porzellanpackerei. Die Geschichte eines Porzellanservices, das im wahrsten Sinn weit herum kam, wurde noch lange mit Schmunzeln im Städtchen erzählt:

Eine Klassenkameradin bekam zur Konfirmation zu den üblichen Pralinenschachteln, Blumenstöcken und Haushaltsdingen ein Porzellanservice von den Verwandten aus den USA geschenkt. Als man neugierig war, wer der Fabrikant des Porzellans war, fand man: "Made in Germany". Der Hersteller entpuppte sich als ortsansässige Firma in ungefähr 2km Entfernung der feiernden Familie.

Es entzieht sich meiner Kenntnis, ob die Gesellschaft betreten schwieg oder in schallendes Gelächter ausbrach...!


Solche und viele andere Geschichten ranken sich um das einmal so begehrte Weiße Gold. In China erfunden, brachte Marco Polo die ersten Porzellane nach Europa. Dort dauerte es lange, bis zwei Deutsche die Rezeptur dafür herausfanden: Kaolin, Feldspat und Quarz, schlichte Erden!

Das gebrannte, harte, schneeweiße Material trat seinen Siegeszug an. Zuerst konnten sich nur die Wohlhabenden Porzellan leisten. Die oberfränkischen, sächsischen und oberpfälzischen Porzellanfabriken belieferten, Kaiser, Könige, den Vatikan, Fluggesellschaften, Schifffahrtslinien, Luxuszüge und -hotels mit Gebrauchsgeschirr und Kunst.

Aus der Flut an Porzellan ragen Kunst-Stücke heraus. Das Geschenk an das schwedische Königspaar anlässlich eines Deutschlandbesuchs war eines davon:
Ausdrucksstark und ... für ein jungvermähltes Paar.




"The first moment"






Kommentare:

  1. Danke für dein interessanetn Beitrag über das Porzellan, ich hatte mal eine Backstube in Hamburg so auf alt gemacht, da hingen überall Kaffekannen und Teekannen,das sah klasse aus das viel mir gerade ein.
    Lieben Gruss Elke

    AntwortenLöschen
  2. Ja, Porzellan eignet sich hervorragend zur Dekoration, liebe Elke, das wird auch eines der Erfolgsrezepte für das "Weiße Gold" sein.

    Herzlich
    Beate

    AntwortenLöschen
  3. Jedes mal, wenn ich auf dem Weg zum großen Ball durch Franken fahre, nehme ich mir vor, einen Abstecher nach Selb zu machen. Doch immer bin ich in Eile. Habe es noch nie geschafft. Dabei liebe ich Porzellan, vor allem altes. Doch jetzt, wo ich ja alle Zeit der Welt habe, könnte es endlich einmal klappen.
    Lieben Gruß
    Katala

    AntwortenLöschen
  4. In Selb bin ich noch nicht gewesen, das steht noch an, liebe Katala! Ich weiß nicht, ob ich das bei diesem Aufenthalt schaffe, denn dieser Museumsteil ist noch umfangreicher. Wenn Du das nächste Mal etwas Zeit einplanen kannst, der Besuch lohnt sich wirklich und ich war sicher nicht das letzte Mal dort.

    Lieben Gruß
    Beate

    AntwortenLöschen