29. März 2016

Svensson&Svensson - der 12tel Blick #3

Die Schweden und ihre Flagge, das ist "eine Welt". Die Tradition hat tiefe Wurzeln, die Zahl der Flaggenstangen in so vielen Vorgärten bezeugt das. Für mich war es damals eines der ersten bestaunenswerten Merkmale des fremden Landes.

Der Mensch sucht sich Zugehörigkeiten. Die blaue Flagge mit gelbem Kreuz ist auffallend positiv belegt, das Verhältnis der Leute dazu traditionell und entspannt. Fast schon ein Symbol für Lebensfreude, auf jeden Fall aber für Ferien, bekennen sich Nicht-Schweden dazu. So prangt nach dem Erst-Urlaub an Wohnmobil oder PKW die kleine selbstklebende Schwedenflagge und manchmal kommen im Laufe der Jahre die anderen "Skandinavier" noch dazu.


Wer sich in Schweden entschließt, einen Fahnenmasten in den Vorgarten zu stellen, hat(-te) gewisse Verpflichtungen. Konservative Schweden halten sich heute noch sehr genau an die bestehenden Regeln zum Hissen und Einholen der Flagge. Die große Fahne wird nur an besonderen Tagen aufgezogen. Dazu gehört der Nationaltag, die Geburtstage der Königsfamilie, kirchliche Feiertage und persönlich-familiäre Feiern.

Natürlich weiß nicht Jeder jeden "flaggens dag". Deshalb sind sie in vielen Kalendern vermerkt, als kleine blau-gelbe Flagge neben dem Tag.

Nicht ganz so schwerwiegend ist die Handhabung der Wandflaggen, die oft an den roten Ferienhäuschen mit den weißen Kanten den Sommer über flattern. Da ist es Brauch Flagge zu zeigen, wenn Jemand anwesend ist. Über 19 Jahre war es in unserem Ferienhäuschen das Zeichen für unsere Nachbarn, dass sie wieder für einige Zeit Nachbarn haben.




Und hier in meiner schwedischen Wahlheimat-Siedlung? Ja natürlich gibt es da eine Flaggenstange und gestern war natürlich "flaggens dag". Und heute? Heute weht dort wieder statt der Flagge der Wimpel, so wie sonst all die Tage, das ganze Jahr über. Na, ihr werdet schon sehen :-).



Der 12tel-Blick macht mit bei Tabea.

27. März 2016

Glad Påsk

Schweden feiert Ostern.

"Glad Påskrufen sich die Leute zu und zeigen dabei einen möglichst freudigen Gesichtsausdruck. Zu Ostern bekennt "Sven Svensson" Farbe vor der eigenen Haustür. Das bedeutet, es gibt an Ostern oder schon ein paar Wochen vorher die Tradition, bunte Federn an kleinen Birken oder Büschen zu befestigen.


Ich mochte die Tradition und habe sie übernommen, bis ich kritische Stimmen hörte. Es war die Art und Weise, wie der österliche Federschmuck heute u.a. zustande kommt. Mit Tierquälerei möchte ich nichts zu tun haben und Federn lassen muss zum christlichen Fest für mich kein Tier, außer...


der Himmel schickt mir die Federn!


Mit ein paar Gedanken zu einer schwedischen Ostertradition wünsche ich allen herzlich:

 "Glad Påsk"

26. März 2016

Die Wolkenmacher

Schornsteine, als imposante Zeichen einer florierenden Wirtschaft gehören sie zu den unverzichtbaren Details der Industriearchitektur. Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere liest sich bedrohlich: Abgase, Emissionshandel, Umweltverschmutzung.

Bedenkenlos baute das Wirtschaftswunder der 60iger Jahre zu den Industrieanlagen ganze "Schornsteinwälder", die bei entsprechender Wetterlage die Abgase über und in den Städten verteilte, anstatt sie weit weg zu schicken. Ein Trugschluss, denn nichts geht verloren, alles bleibt irgendwo!

Ich kann mich gut an Wintertage in meiner Kindheit erinnern, an denen die Luft typisch nach verbrannter Kohle roch und an denen das Weiß der Schneehaufen eigentlich immer kleine schwarze Krönchen zierten,- Russ aus den Kaminen der Häuser.

Heute filtert aufwändige Technik da und dort die Abgase, in den Ländern, die sich das leisten können und wollen. Nur "heiße Luft" oder doch mehr? Das ist die Frage.













"Die Wolkenmacher", verlinkt mit "InHeaven" der Raumfee 

20. März 2016

Der zweite Tag

Ein Teil des Himmels liegt auf dem Wasser. Tag 2 beginnt mit einer 50 Minuten-Seereise, auf der man nicht wesentlich weiter, als ein paar hundert Meter um das Schiff herum, sieht. Macht nichts, ich bin mit dem Bord-Frühstück beschäftigt. Diesmal sind wir schon um 6 Uhr zur Weiterfahrt aufgebrochen inclusive Verzicht auf das Frühstück im Hotel.

Seereisen und meine Begeisterung dafür, vertreibt bis zu einem gewissen Punkt einen etwaigen Anflug von Seekrankheit. Doch diesmal besteht keine Gefahr. Das Wasser ist ruhig, die Segelei gemütlich.


So früh am Morgen waren wir hier noch nie unterwegs. Mir fällt auf, dass der Einfallswinkel des Lichtes alles anders zeigt, als gewohnt. Dinge werden hervorgehoben, die sonst nicht in Erscheinung treten, andere werden in den Hintergrund gedrängt.

Diesmal auch anders: An den Grenzen nach Norden wird wieder kontrolliert, wie vor dem Schengen-Abkommen. Die Grenzkontrolletta nimmt Rücksitzbank, Ausweise und uns in Augenschein.

Kurz vor Kopenhagen merke ich, dass mich die Müdigkeit übermannt hat. Halb sechs Aufstehen, das war mir wohl heute eindeutig zu früh! Gerade rechtzeitig zur Überquerung des Öresunds ist der Fotoapparat startbereit, die  Brücke schnell in Sichtweite.

Ich habe noch keine Stadt schneller wachsen sehen, als Örestaden. Das Konglomerat aus Industrie, Verkehr und Wohnen, das auf beiden Seiten des Öresunds wuchert, fasziniert und erschreckt mich gleichzeitig, auch wenn ich akzeptiere, dass Veränderung die einzige Stabilität der Welt ist. Ich kenne die Landschaft seit 30 Jahren und muss feststellen, hier haben Büro- und Hotelglaspaläste, Schornsteine und Straßenknäuel die Natur großenteils verdrängt, dem "ewigen Wachstumsglauben" zuliebe.





40km hinter der Großen Brücke beruhigt sich das Landschaftsbild. Schonen, der südlichste Bezirk Schwedens mit seiner bäuerlichen Kulturlandschaft und den ersten weitläufigen Wäldern ist erreicht und wir haben noch 5 Stunden Fahrt vor uns.



19. März 2016

Reisebekanntschaften

Nach dem faszinierenden Eis-Erlebnis gab es mehr Erstaunliches, Sonderbares und Naturschönes zu sehen, wie

ein Hochregallager auf 16 Rädern,


MisTelbäume im Himmelsblau


und auch sonst allerlei auf, neben und über der Autobahn.


Der erste Teil der Reise in die Wahlheimat führt uns immer bis Schleswig Holstein. Seit wir diese Route nehmen, beobachte ich die Kranichzüge und -rastplätze mit wachsender Begeisterung. Sind sie doch ein Sinnbild für unsere eigene Reisetätigkeit, manchmal gegenläufig und manchmal in dieselbe Richtung unterwegs. Auch diesmal kündigte sich eine Begegnung mit den Glücksvögeln an.

Ein Stück nördlich von Berlin prägen weite Felder und Wiesen die Ebene, ein idealer Sammelplatz für ziehende Großvögel. Oft sah ich Kranichpaare nicht weit von der Straße entfernt, irgendetwas Fressbares vom Boden aufpickend. Vogelpicknick also, denn jeder braucht auf langen Reisen Ruhe, Entspannung und etwas Kräftigendes.

Kranichpaare oder kleine Gruppen waren meistens zu sehen. Doch diesmal gab es keine Reisebekanntschaft nur aus der Ferne und im Vorbeifahren, sondern ziemlich hautnah und in einer Menge, wie ich sie noch nie zu Gesicht bekommen habe. Es waren hunderte, wenn nicht gar tausend Kraniche, die da entlang der Autobahn rasteten. Die nächste Ausfahrt war nah und so beschlossen wir, uns das Erlebnis nicht entgehen zu lassen.









16. März 2016

Eis ... die letzte?

Klar haben wir uns an Raureif-Tagen, schneebedeckten Landschaften und eisverkrusteten Pflanzen satt gesehen. Im März hat man Lust auf Neues, Buntes und doch .... . Es gibt Tage, die den Winterbildern der feinen frostigen Art das Tüpfelchen auf's "i" setzen.

Dass es soweit kommt, müssen schon einige Faktoren passen: Minusgrade, Nebel in feinsten Dosierungen und Wolkenlücken für die kräftige Märzensonne. Das alles traf an unserem ersten Reisetag zusammen.

Wir waren erst kurze Zeit unterwegs. Der dichte Nebel vom Morgen hatte sich bis in die obersten Baumwipfeln zurückgezogen und zeigte Auflösungserscheinungen. Erst war die Sonne als milchig-helle Scheibe zu erkennen, dann riss der Nebelschleier auf und im Augenblick erstrahlten die obersten Zweige, als hätte ihnen jemand Lichtfäden verpasst.

Die "Erleuchtung" verging so schnell, wie sie gekommen war. Neue Nebelschwaden hatten die Sonne wieder verdeckt. Aber ich war wie elektrisiert und versuchte im Vorbeifahren die Erscheinung zu enträtseln. Die Lösung stellte sich auf dem nächsten Parkplatz so dar:






mehr himmlische Erlebnisse gibt es bei "In heaven" von Raumfee Katja

13. März 2016

Der KAFFEE ist aus!!!

Ich bin bekennende Frühstücks- Kaffeetrinkerin, mindestens seit ich meinen eigenen Haushalt habe.
Das Frühstücksritual, als feste Größe am Morgen, wurde stets gepflegt, auch nach meiner Heirat. Es gab nur sehr wenig Tage, an denen es nicht stattfinden konnte.

"Wer zuerst kommt, mahlt zuerst", wird bei uns umgedeutet zu "Wer zuerst auf ist, macht Kaffee", eine äußerst zuverlässig und entspannt funktionierende Formel.

Heute früh war also ich als Erste in der Küche, so leidlich wach, nachdem der Blick aus dem Fenster das öde Grau von gestern fortsetzte. Der Lichtblick am Morgen heute wieder einmal die erste Tasse Kaffee. Da legt man gerne Hand an!

Die Handgriffe kenne ich im Schlaf. Es ist also kein Problem, wenn das "Hier und Jetzt" noch nicht so ganz präsent ist: Wasser aufsetzen - Kanne mit Filter bestücken - Kaffee ...... Mist, der Kaffee ist aus!

Ich bin schlagartig hellwach!

Keine Katastrophe, aaaaber in Deutschland sind, im Gegensatz zu Schweden die Geschäfte am Sonntag geschlossen. Die Gedanken wirbeln wie Blätter im Wind durch den Kopf und ehrlich gesagt, ein bisschen auch meine Laune. Sucht? Kann sein, ganz sicher aber die Erkenntnis, an diesem Morgen einer liebgewordenen Gewohnheit verlustig zu gehen.

Ich setze mich auf die Couch im Wohnzimmer und wäge ab: Bröselkaffee (der gefriergetrocknete Kaffee, wenn es schnell gehen muss) ist noch da ... aber bitte nicht schon morgens und noch haben wir keinen Notfall.

Die eine Bäckerei in dem einen Supermarkt, wäre da eine Anlaufstelle oder der Tankstellenshop. Ich sinniere, denn für mich ist der Morgen kein Morgen, wenn ich mich vor dem Kaffee unter die Dusche stellen muss. Für mich ist die Reihenfolge einfach nicht stimmig.

Das Problem löst sich augenblicklich, als mein Mann in der Küchentür erscheint ... .



11. März 2016

Vierfarben-Hoffnungsschimmer

Wer den Förmitzspeicher auf dem Uferweg umrundet, betritt früher oder später die 800m lange Dammkrone. Zugegeben habe ich dabei immer ein seltsames Gefühl in der Magengegend, weil mir bewusst ist, welche Wassermassen sich gegen den Staudamm lehnen.

Blick nach Süden
Andererseits genieße ich den Blick von dort oben über die Landschaft in den Norden und über den See in den Süden. Vor etwas mehr als 38 Jahren befanden sich auf gleichem Gelände Wiesen, Felder und ein Flüsschen, die Förmitz, die dem See ihren Namen gab.

Blick von der gegenüberliegenden Seeseite nach Norden
Der Stausee und sein künstliches, hochtechnisches Nordufer haben nichts Spektakuläres. Sie fügen sich in die bestehende Landschaftsform ein, ohne störend zu wirken. Im ausgehenden Winter ist die Erde an den schräg abfallenden Seiten ziemlich nackt. Man sieht, dass es sogar Pionierpflanzen schwer haben, sich hier anzusiedeln. "Pionierpflanzen", wie gesagt, manche bezeichnen sie als Unkraut.

Dabei ist das sogenannte Unkraut genau genommen unverzichtbar. Die Wurzeln halten bei Regen das Erdreich an Ort und Stelle. Die günstige Lage am südlichen Abhang erfreut sich intensiver Sonneneinstrahlung. Und genau da habe ich zu meiner Überraschung gleich vier blühende Unkräuter gefunden. Das Erste davon heißt tatsächlich F R Ü H L I N G S H U N G E R, ganz nach meinem spätwinterlichen Gefühl!

Frühlingshunger

Rote Taubnessel

Ehrenpreis

Gewöhnliches Greiskraut, senecio vulgaris

9. März 2016

Im Winterschlaf


"Die höchsten Höhen des Fichtelgebirges brauchen sich vor dem schwedischen Fjell nicht zu verstecken", so dachte ich, als wir gestern auf der Autobahn am Ochsenkopf, dem zweithöchsten Gipfel vorüber fuhren. Licht, Schnee und Schatten hoben jede Unebenheit, jeden Baum so deutlich hervor, als wäre er zum Greifen nah.

Die strahlende Helligkeit macht aus dem Winter den Frühlingswinter, in dem man gerne mit Blühendem rechnet. Die Hartgesottenen: Schneeglöckchen, Leberblümchen, Lenzrosen, Winterlinge, zieren schon manchen Hausgarten. Davon muss der Berg noch lange träumen.

Ich hatte mir vorgenommen, meiner ehemaligen Schulstadt einen Besuch abzustatten, mein letzter dürfte einige Jahrzehnte her sein. Zum Stadtrundgang kam es diesmal nicht. Das Ziel war die etwas außerhalb gelegene Eremitage, eine markgräfliche Parkanlage mit Bauten aus derselben Zeit.

Sonnentempel mit Orangerie






WINTERSCHLAF - ehrlich gesagt, ich hätte doch noch mit der Besichtigung warten sollen. Die Sonne kam erst spät an diesem Nachmittag hervor. Baumgrün und Blumenblüte fehlten ganz und eigentlich ist der Park auch noch bis April geschlossen. Der Reiz des Wiedersehen-Dürfens überwog und ich war eben nicht abzuhalten.

Beim Eintreffen gab es zumindest ein paar sonnige Momente, die die großzügige Anlage in ein freundliches Licht tauchten, auch wenn die Maßnahmen, die die empfindliche Bausubstanz vor Eis schützen, nichts mit Schönheit zu tun haben.


Der wahllose Rundgang nach dem Motto "immer der Nase nach" bezauberte mit überraschenden Blicken und Entdeckungen. Im Sommer ist das Auge vom Grünen und Blühen abgelenkt. Jetzt konzentriert es sich eher auf die Weite und auf spiegelnde Wasserflächen. Überall finden sich Grotten, Schlösschen und Lauben und mit etwas Fantasie taucht man als Statist in das höfische Treiben des 18. Jahrhunderts ein.