7. März 2016

Altbekannt und neuentdeckt

Eingeklemmt zwischen Hügeln zwängt sich das Wasser bis hinter die Stadt. Dort verschwindet die Saale, auch Sächsische, Thüringische oder Vogtländische Saale genannt, in einer schmalen Talaue, mäandert durch Erlen und Weiden und teilt sich in Altwasser, wo sie ein Eldorado für Vögel ist.


Die Saale gehört zu meiner alten Heimat, wie die Knöpfe zur Weste. So nah wie heute, bin ich ihr außerhalb der Stadt lange nicht gekommen.

Früher hatte der Fluss nichts Anziehendes, im Gegenteil. In den Sechzigern war er die reinste Kloake. Erst als die Ringkanalisation fertig war, nach dem großen Fischsterben, wurde der unerträglich beißende Gestank, den die Saale an warmen Sommertagen immer verströmte, weniger und weniger. Heute ist sie so sauber, dass man wieder darin baden kann.

Altbekannt und neuentdeckt, es hat sich viel im Saaletal getan, seit ich das letzte Mal hier zu Fuß unterwegs war. Die Wirtschaftsgrößen der Stadt haben sich den Ökopark etwas kosten lassen: saubere, ausgeschilderte Fußwege, ein Naturlehrpfad und jede Menge Biotope sowie die Auenlandschaft sind Bestandteil der Naherholung.






Heute begegnet uns kaum jemand. Der Sonntagnachmittag mit seinen Wetterkapriolen hält für uns den Weg entlang der Saale frei. Ein paar Autos links der Saale auf der Straße und ein paar Interregios rechts der Saale auf dem Schienenweg, stören kaum. Selbst die Vogelwelt ist zurückhaltend. Neben Meisen, Amseln und Saatkrähen ist nichts zu sehen. Zu hören allerdings schon, aber wer oder was? Leider erkenne ich Vogelstimmen immer noch nicht gut genug.



Ziemlich zu Beginn des Fußweges sitzt eines der heimlichen Wahrzeichen der Stadt. Für mich war das zu Kinderzeiten ein verbotener Ort ... und gerade deshalb besonders anziehend und geheimnisvoll. Ein zu Stein gewordener Riesenfrosch, bei dem ich immer das Märchen der Gebrüder Grimm im Kopf hatte und in meiner kindlichen Einfalt vergaß, wie ich DIESEN Frosch wohl an die Wand hätte werfen sollen und, an welche!


Gefährlich war auch nicht der Frosch, sondern die gleich daneben verlaufende Bahntrasse. Bis heute ist der Stein etwas Besonderes, wenn auch das Märchenhafte dabei vollkommen in den Hintergrund tritt, wie man der Tafel entnehmen kann.




Zumindest am Oberlauf ahnt man nicht, dass das hier der zweitgrößte Nebenfluß der Elbe ist, nach der Moldau.

PS.:
Und würde ich der Saale hier an dieser Stelle eine Flaschenpost übergeben, käme die, mit ein bißchen Glück und nach x-Tagen in Cuxhaven an  ;-). 


Kommentare:

  1. Liebe Beate
    der Frosch in Stein wie gross er ist und wie es dort aus sieht viel Wasser da war aber bei mir ein sonniges Wetter eher und wenn ich mal eine Flaschepost finde dann weis ich wer sie rein geschmissen hat*zwinker*...
    Ich wünsche dir noch eine schöne Zeit in deiner alten Heimat!
    Lieben Gruss Elke

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    1. ja jetzt hab ich es bemerkt und du siehst heute wie ein trübes Wetter an der alte Liebe ist und der Elbe!
      Trotzdem radle ich mal los Richtung Nordsee zum einkaufen mal schauen schwind zum Strand runter gehen noch dabei .. winke dir zu!
      Lieben Gruss Elke

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  2. Hallo Beate,

    ein kleines Fleckchen der Saale kenne ich aus Jena, wo ich als Kind drei oder viermal Ostdeutsche entfernte Verwandte besucht hatte. Ich kann mich noch entsinnen das es damals für mich als Kind, eine schöne Zeit war. Unsere Verwandten sind viel mit uns in den Wäldern gewesen.
    Landschaftlich ist es eine sehr schöne Gegend und Du hast tolle Bilder gezeigt.

    PS.: Solltest Du dort mal eine Flaschenpost einwerfen, gib Bescheid, ich achte dann daruf und versuche sie hier raus zu fischen ;-)

    Viele Grüße vom Ender der Elbe
    Nachtfalke

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  3. Diese verbotenen Orte - schrecklich. Nichts ist spannender. Nichts wünscht man sich mehr, als sich heimlich dorthin zu schleichen. Man, will ja ein braves Kind sein, aber...
    Die Saale ist inzwischen wirklich wieder ein feiner Ort. Deine "Savannenlandschaft" mit dem düsteren Himmel ist schön.
    Lieben Gruß
    Katala

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  4. Liebe Beate, Dein Kommnentar eben hat mich gerettet. Du hast mich aus einer tiefmelancholischn Stimmung befreit. Jetzt sitze ich hier und lache, lache Tränen. Du hast gesehen, was zu sehen ist. Ich danke Dir dafür.
    Lieben Gruß und einen schönen Abend
    Katala

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