20. März 2016

Der zweite Tag

Ein Teil des Himmels liegt auf dem Wasser. Tag 2 beginnt mit einer 50 Minuten-Seereise, auf der man nicht wesentlich weiter, als ein paar hundert Meter um das Schiff herum, sieht. Macht nichts, ich bin mit dem Bord-Frühstück beschäftigt. Diesmal sind wir schon um 6 Uhr zur Weiterfahrt aufgebrochen inclusive Verzicht auf das Frühstück im Hotel.

Seereisen und meine Begeisterung dafür, vertreibt bis zu einem gewissen Punkt einen etwaigen Anflug von Seekrankheit. Doch diesmal besteht keine Gefahr. Das Wasser ist ruhig, die Segelei gemütlich.


So früh am Morgen waren wir hier noch nie unterwegs. Mir fällt auf, dass der Einfallswinkel des Lichtes alles anders zeigt, als gewohnt. Dinge werden hervorgehoben, die sonst nicht in Erscheinung treten, andere werden in den Hintergrund gedrängt.

Diesmal auch anders: An den Grenzen nach Norden wird wieder kontrolliert, wie vor dem Schengen-Abkommen. Die Grenzkontrolletta nimmt Rücksitzbank, Ausweise und uns in Augenschein.

Kurz vor Kopenhagen merke ich, dass mich die Müdigkeit übermannt hat. Halb sechs Aufstehen, das war mir wohl heute eindeutig zu früh! Gerade rechtzeitig zur Überquerung des Öresunds ist der Fotoapparat startbereit, die  Brücke schnell in Sichtweite.

Ich habe noch keine Stadt schneller wachsen sehen, als Örestaden. Das Konglomerat aus Industrie, Verkehr und Wohnen, das auf beiden Seiten des Öresunds wuchert, fasziniert und erschreckt mich gleichzeitig, auch wenn ich akzeptiere, dass Veränderung die einzige Stabilität der Welt ist. Ich kenne die Landschaft seit 30 Jahren und muss feststellen, hier haben Büro- und Hotelglaspaläste, Schornsteine und Straßenknäuel die Natur großenteils verdrängt, dem "ewigen Wachstumsglauben" zuliebe.





40km hinter der Großen Brücke beruhigt sich das Landschaftsbild. Schonen, der südlichste Bezirk Schwedens mit seiner bäuerlichen Kulturlandschaft und den ersten weitläufigen Wäldern ist erreicht und wir haben noch 5 Stunden Fahrt vor uns.



Kommentare:

  1. Der Schornstein erinnert mich an Ingolstadt und nicht an Schweden. Aber der Fortschritt und die Veränderung hat nicht nur< schlechte< Seiten. Solange die Umwelt in Balance ist, kann ich noch halbwegs beruhigt schlafen! Dann auch hier bei mir in NRW gibt es < Schornsteinecken< und trotzdem gehen wir viel auf tollen Wanderwegen ::))
    eine gute FAhrt und einen Gruß zu dir
    heiDE

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    1. Die Schornsteinecken sind nicht das Problem, sondern das, was aus den Schornsteinen in die Welt geblasen wird. Veränderung ist natürlich und lebensnotwendig, ein Gesetz dieser Welt. Der sogenannte fort-Schritt hat jedoch eine Komponente bei dem wichtig ist, wer bestimmt, wohin dieser Schritt führt.

      Beste Grüße nach NRW
      Beate

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  2. Schonen scheint schön. So sehr ich den einen oder anderen Fortschritt zu schätzen weiß - eine bäuerliche Kulturlandschaft liegt mir mehr.
    Lieben Gruß und einen guten Start in die neue Woche
    Katala

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    1. Schonen ist dem Norden Deutschlands sehr ähnlich und gefällt mir landschaftlich nun, nach jahrelangem "Waldaufenthalt" fast besser, als der Teil in dem ich wohne. Die freiere Sicht hat etwas Positives, das man nicht unterschätzen sollte. Den Wald vor der Tür schätze ich dann wieder im Sommer, wenn uns der Fortschritt die mindestens doppelte Anzahl Besucher ins Städtchen "spült". ;-)

      Von der Ostseeküste Grüße zu Dir,
      Beate

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  3. Liebe Beate,
    beeindruckende Fotos, die du zeigst, imposant ist dieses Wachstum ohne Gleichen... Mein Favorit bei diesen Fotos ist eindeutig das erste Bild, es begeistert mich total. Wie wundervoll muss diese Reise am frühen Morgen gewesen sein, traumschön.
    Herzliche Ostergrüsse, Sichtwiese

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  4. Ja, dem Morgen wohnt an sich ein besonderer Zauber inne. Wie ich schrieb, fuhren wir zum ersten Mal so früh weg und da tun sich völlig neue Seiten dieser Gegend am Wasser auf. Die Mole liegt an der Hafen-Ausfahrt von Puttgarden nach Rödby.

    Lieben Gruß,
    Beate

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