14. April 2016

Die Wolkenstierer


Von dem Ort Zell, ganz in der Nähe meiner alten Heimat, erzählt man sich Folgendes:

Eines Sommers vor vielen, vielen Jahren, wurde die Gegend um Zell von anhaltender Trockenheit heimgesucht. Obwohl sich abends Wolken zeigten, regnete es nicht. Langsam machten sich die Leute Sorgen um ihre Gärten und Felder.


Sie berieten, was zu tun sei und kamen auf die Idee, die Wolken stünden zu nahe beieinander, sodass der Regen nicht zur Erde gelangen könne. Als sich am Abend wieder die Wolken türmten, nahmen sie lange Stangen und stiegen den nächsten Berg hinauf. Dort fuchtelten sie wild herum, um die Wolken auseinander zu treiben.

Fast jeder Zeller erwachte in der Nacht, so rauschte der Regen plötzlich nieder. Es regnete und regnete 10 Tage fast ununterbrochen. Langsam machten sich die Leute Sorgen um ihre Gärten und Felder. Da berieten die Zeller, was nun zu tun sei und kamen auf die Idee, die Wolken wären jetzt zu weit auseinander.

Also nahmen sie ihre Stangen und stiegen den Berg hinauf. Als sie bis auf die Haut durchnässt oben ankamen, schoben sie die Wolken näher zusammen. Und tatsächlich, am nächsten Morgen weckte sie die Sonne aus dem Schlaf.

Seitdem haben die Zeller den Beinamen "Wolkenstierer".

"Wolkenstierer" im Vorbeifahren gesehen:









Manches Wort und viele Bilder zu "InHeaven" gibt es samstags bei der Raumfee Katja

Kommentare:

  1. Bilder und Worte verwebt - eine Art, die mir gut gefällt. In Erinnerung geblieben ist mir eine ganz frühe Kindergarten-Begebenheit, als ich mit einer großen Tüte hüpfend oben auf der Rutsche stand und unbedingt die Sonne einfangen und sie im Haus wieder ausgießen wollte...ach, ja, manchmal hat man solche Ideen.

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    1. Danke, das bot sich auf diese Weise an ...
      Eine herrliche Kindheitserinnerung und sicher eine fantasiereiche Geschichte, drum herum, die Du Dir damals ausgedacht hast. Lichtschöpfen und ausgießen, ... Da schrieb ich vor Jahren mal eine Geschichte, die das auch zum Inhalt hatte. :-) Die spielt (natürlich) in Schweden.

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  2. Was für eine wunderschöne Geschichte. Ich hätte hier heute auch gerne solche eine Stange gehabt, um die Wolken wieder zusammenzuschieben. Aber hier gibt es ja nicht einmal einen Berg, auf den ich hätte steigen können.
    Lieben Gruß und ein schönes Wochenende
    Katala

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    1. Gibt es in Deiner Nähe auch Orte, in der die Bewohner mit Beinnamen bedacht worden sind. Im Fränkischen gibt es noch die Hofer "Ratsch'n" und die Bamberger Zwiebeltreter, von denen ich weiß. Die Geschichten dazu leider nicht. Das mit den Stangen wäre schon praktisch, aber wer weiß, es gäbe vielleicht viel Streit ;-)

      Schönen Sonntagabend an Dich,
      Beate

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  3. So einen Geschichte am Morgen vertreibt Kummer & Sorgen! Danke!
    GLG
    Astrid

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    1. Dann war es ein Vergnügen besonderer Art und freut mich doppelt, liebe Astrid!

      Hoffentlich lösen sich Kummer und Sorgen bald . Das wünscht Dir
      Beate

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