1. April 2016

Stiefmütterlich

Ich behaupte ernsthaft: "Geht man eine Gartensaison lang täglich am Stadtrand meiner schwedischen Heimatstadt spazieren, hat man am Ende mühelos Pflanzen für einen Kleinst-Garten zusammen."
Der Wald ist nah und eine Reihe Gartenbesitzer entledigt sich dort ihres Grünabfalls mal eben über der Straße.

Dort kommt dann zwar Natur zu Natur, doch das Ganze verrät sich, wenn zwischen Wachholder, Moos und Blaubeere plötzlich Blumen und Sträucher blühen, die mit Wald nichts zu tun haben, wohl aber mit den Gärten in der Umgebung. Blüht gerade nichts Jahreszeitgemäßes, sind die überwucherten "Hügelgräber" ein untrügliches Zeichen für die verschmähten Pflanzen. Für die ist es dann auch schon "zu spät".

Die ungewöhnlichen Farben verraten die Umstände, was mir recht ist. Die so stiefmütterlich Behandelten finden Platz in meinem kleinen Garten, dem, der es mit seiner Nordseite und der Sonne nicht gerade leicht hat, kein Pflanzenparadies, aber eine Überlebenschance.


Mit der Pflanzenrettung begann ich mehr durch Zufall vor etlichen Jahren. Damals wurde ich auf dem kommunalen Kompostplatz auf eine dahin vegetierende "Fette Henne" aufmerksam. Der Wurzelballen des leidenden Pflanzentieres  hatte sogar noch die Form seines ehemaligen Zuhauses, einem Topf, dem es entwachsen war. Die "Fette Henne" war entschieden zu schön, um an Ort und Stelle einzugehen.

Als ich die gängige Praxis der Grünabfallentsorgung in meinem Städtchen mitbekam, erwachte mein Pflanzenherz von Neuem. Seitdem kultiviere ich einen Findelgarten. Von mir zum ersten "Hügelgrab" sind es auch nur ein paar Schritte. Bei 70 Wohneinheiten mit Balkon und Kleinstgarten fällt jedes Jahr eine Menge an Ungewolltem an und für meinen Garten Pflanzen ganz umsonst.

Die neueste Rettungsaktion 






Kommentare:

  1. das finde ich ja toll... ich kenn das auch von früher und ich wunderte mich am Waldgebite pflanzen zusehen die ausserhalb vom Gartenanlaggen wuchsen irgendwann sagte es mir jemand dass sie da entsorgt werden. Die wachsen dann das andere Jahr manche dort.Ich verstand das nicht sie weg zuschmeissen.Ich freute mich immer wenn ich im Frühjahr wieder vorbei kam,
    Aber du kannst ihnen ein schönen Platz geben und sie pflegen und hegen.
    Lieben Gruss Elke

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  2. *lach* ich habe da eine echte Sammelleidenschaft entwickelt und habe ich selbst Pflanzen übrig, versuche ich sie bei anderen Leuten unterzubringen. Schließlich hat meine Mutter in D auch einen großen Garten und notfalls wird "exportiert" :-).

    Lieben Gruß zum Wochenende von
    Beate

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  3. Liebe Beate,
    sowas kenne ich überhaupt nicht hier, aber wenn ich bedenke, dass es das gäbe, würde ich alle diese wundervollen Pflanzenfreunde auf meinen Balkon holen... Die Idee deines Findelgartens finde ich absolut genial, das ist wundervoll von dir... mögen es dir diese Blumen danken mit einem üppigen und farbenfrohen Wachstum.
    Ein sonniges und wunderschönes Wochenende dir und deinen Lieben.
    Herzliche Grüsse, Sichtwiese

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    1. Liebe Sichtwiese,
      Dieser Garten macht mir wirklich auf eine besondere Art Freude. Damit wurde mir auch erst bewußt, wie die Ware "Blume" zum Wegwerfartikel geworden ist. Ich nehme mich da auch nicht aus. Gedankenlosigkeit ist doch weit verbreitet, wenn Geld genug für ständig Neues da ist. Das ist nnicht nur bei Blumen so.

      Lieben Gruß und schönes Wochenende
      Beate

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  4. Du bist also auch eine Pflanzenretterin. Hier gab es bis vor ein paar Jahren auch so einen wilden Pflanzenentsorgungsplatz. Nun gibt es ihn nicht mehr. Irgendwie auch schade, denn nun kommen all die schönen Blumen und Kräuter einfach in die Mülltonne und niemand kann sie mehr retten.
    Lieben Gruß
    Katala

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