7. April 2016

Umständehalber


Die stürmische Seite des Frühlings ist keine wirklich gute Gartenzeit. Deshalb ist für heute die Arbeit im Freiland ausgesetzt, da ich dem Nachbarn keine windgesäte Überraschung bereiten will.

Der abendliche Gartenrundgang entfällt allerdings nicht. Die Saaten im Gewächshaus brauchen ihre tägliche Ration Wasser. Temperaturen über 25 Grad sind drinnen schnell erreicht, die selbstöffnende Dachluke verschafft nur unzureichend Frischluft.


Außerhalb der Gartenkolonie sucht man im Moment den Frühling noch mit der Lupe und das, obwohl das ausgleichende Meer nebenan liegt. Unter uns geflüstert, es ist erschreckend, wie wenig Frühling hier oben bisher angekommen ist, wenn ich mir die Bilder auf euren Blogs betrachte. Es ist jedes Jahr das gleiche, ich werde mich nie daran gewöhnen!


Überhaupt ist das mit dem Gartenbau so eine Sache. Bisweilen vergesse ich komplett, wie nördlich meine Wahlheimat liegt, wie verzögert und demnach kurz die Saison ist und wieviel das verlängerte Tageslicht manchen Minuspunkt für das Wachsen und Werden wettmacht. Die Mischung ist mir noch nicht so recht geläufig.

Manches funktioniert hier oben gar nicht, siehe Mispelbaum! Im Laufe meiner schwedischen Gartenjahre haben sich die Tomaten ins Gewächshaus verzogen, die Paprika sind ganz aus meiner Liste verschwunden und manch anderes Gewächs verschmähte den sandigen Boden, auf dem ich gartle. Die Möhren waren trocken wie Holzkeile. Die ungewollt lange Zeit der Abwesenheit vergangenes Jahr hat mir das Junggemüse übel genommen.

Letzteres muss ich hinnehmen, alles andere ist ein Lernprozess, an dem ich übe, übe und nochmals übe. Nur das Wasser, das macht mir wirklich ein wenig Sorgen. Mit dem Klimawandel wird das Wasser immer knapper, es regnet zu wenig für unserer Verhältnisse. Ja, ganz richtig gelesen: Wasserknappheit im "Wasserreich" Schweden....!

Es gab im letzten Jahr schon ganz zu Anfang der Gartensaison Gießverbot in einigen Regionen entlang der Ostküste. In meiner Wahlheimatstadt ist die Sache folgende:

Unser Trinkwasser See, der Hjorten, liegt in Meeresnähe. Sinkt der Wasserspiegel wegen des ausbleibenden Regens zu stark, hält der Seewasserdruck dem Meereswasser nicht mehr stand. Unsichtbar in der Tiefe sickert das brackige Ostseewasser in den See und macht es ungenießbar.

Dann ist guter Rat teuer und Wasser auch.



Kommentare:

  1. Dass es gerade, wenn die Pflanzen Wasser brauchen, immer seltener regnet, ist mir hier auch schon aufgefallen. Aber so schlimm, dass das Gießen verboten werden muss, ist es hier noch nicht.
    Das Foto vom See ist wunderschön. So als wäre die Welt noch heil.
    Lieben Gruß
    Katala

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    1. Es gibt in Schweden Pläne Wasserpipelines zu bauen, um Wasser aus regenreicheren Regionen in regenarme zu befördern. Auch wenn das finanzielle Ressourcen verschlingt, hat das Land doch diese Alternative. Ich hoffe nur, dass man nicht hier das "Wasserloch" stopft, um woanders eines aufzureißen. Solche Großprojekte haben, denke ich, immer irgendwelche Auswirkungen.
      Der See ist wirklich sehr schön. Er ist einer der wenigen, die von vielen Seiten zugänglich sind.

      Liebe Grüße
      Beate

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  2. Hallo Beate,

    auch bei uns ist der Frühling noch nicht angekommen, wenns auch einige sehr wenige schöne Tage gab. Vermutlich werden wir in den kommenden Jahren noch einige Überraschungen durch den Klimawandel erleben. Ich wünsche Dir, dass Dein Garten nicht wegen Wassermangel beeinflusst wird.

    Viele Grüße
    Nachtfalke

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  3. Hallo Nachtfalke,
    ich habe eine kleine Reserve durch zwei Regenwassertonnen. Eine dritte kommt in diesem Jahr dazu, die das Wasser vom Gewächshausdach auffangen soll. Wenn man mulcht, verdunstet das Wasser nicht so schnell, es ist am besten abends oder morgens zu gießen, das hält am längsten nach. Bis zu einem gewissen Grad kann man wassersparend arbeiten. Gut, sich gleich daran zu gewöhnen.
    Tja, der Frühling ist ein ganz heimlicher: Die Luft ist kalt und der Waldboden hinter dem Haus sieht aus wie eine Trockensteppe :-(. Was gar nicht passt sind die drei Kirschbäume vor dem Haus, die werden nämlich bald blühen. Das habe ich heute erst bemerkt. Komische Welt.
    Gut die Dinge zu nehmen, wie sie kommen und das Beste daraus zu machen.

    Viele Grüße,
    Beate

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  4. Liebe Beate,
    wie du auf meinem Blog sehen kannst, ist der Frühling in vollem Gange... aber auch ich muss sagen, dass wir letztes Jahr erst hörten, dass wir genügend Wasser haben für diese lange, heisse Sommerzeit, dann aber wurde das Wasser auch bei uns mal knapp... Wobei es das auch schon mal gab als meine Kinder noch klein waren. Mir wird der Klimawandel ganz extrem bewusst, wenn ich sehe, dass zwei meiner Bäumchen auf dem Balkon nicht überlebten mitsamt dem täglichen Wasser, irgendwie fühlte es sich nach Afrika an letzten Sommer und der Winter war bei uns ein Frühling... Man ist sich immer mehr bewusst, wie wertvoll die Ressource Wasser ist und wie sie immer wertvoller und teurer wird... Ich wünsche dir, dass dein Garten seinen Selbsterhaltungstrieb aktiviert und herrlich wird.
    Herzliche Grüsse und viel Geduld, liebe Gedanken in den Norden, Sichtwiese

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  5. Liebe Sichtwiese,
    ja, bei Dir ist es deutlich Frühling. Nun ist der Fortschritt der Natur bei mir hier täglich zu sehen. Es beginnt auch schon um fünf Uhr hell zu werden. Was vorgestern noch grüne Knospen waren, sind heute vielblättrige Zweigspitzen des Gartengeißblattes. So geschieht es dann eines Tages, dass Vieles gleichzeitig blüht, von dem ich immer gewohnt war, es nacheinander im Garten zu entdecken. Die Frühlingsblüher und Sommerblüher laufen sich im Laufschritt den Rang ab und ehe man es sich versieht, schmuggelt sich das erste gelbe Birkenblatt darunter ... und dann weiß man nicht, hat es zu wenig geregnet oder ist es tatsächlich schon der bevorstehende Herbst.
    So ist der schwedische Sommer, kurz und intensiv. Noch haben wir ihn vor uns. Und ich meine, dass die Intention, mit der der Garten gepflegt wird auch ein Bestandteil seines Gedeihens ist. Danke für Deine liebenswürdigen Gedanken dazu.

    Liebe Grüße
    Beate

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  6. Liebe Beate,
    die längeren und regenarmen Tage haben wir auch meist mit Außenarbeiten verbracht. Der Gemüsegarten liegt allerdings noch brach, aber da hat es ja auch noch etwas Zeit. Die Natur reagiert hier trotz der zwischendurch absackenden Temperaturen und trotz frischem Wind beharrlich, sowohl Pflanzen- als auch die Tierwelt. Das Werden deiner Buchweizen-Pflanzung interessiert mich, derartiges haben wir noch nicht versucht. Ein erster Versuch mit einer Mulchschicht auf 2 der Beete hat bislang den Vorteil, dass sich dort fast keine Gräser verbreitet haben. Gießen mit Regen- und Brunnenwasser am Morgen (auch wegen der Schnecken) machen wir ebenfalls. Mit ein bisschen Überlegen und vielleicht etwas geringeren Erträgen, lässt es sich in jedem Fall naturverträglich gärtnern. Unser nein danke auf die diesjährige Anfage des Nachbarn zum Güllen der Wiese war ok, er mäht trotzdem und wir teilen das Heu (wobei wir vglwse. wenig brauchen). Man kann sich schon oft einig werden, muss halt den ersten Schritt tun. Alles Liebe zu dir in deinen wunderschönen Norden, Birgit

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    1. Liebe Birgit,
      auf den Buchweizen kam ich, weil ich mir in Richtung Selbstversorgung Gedanken mache. Nun habe ich keine Riesenflächen zur Verfügung und es werden Versuche bleiben, aber das Wissen darum gibt mir Zufriedenheit. Ich suchte nach Pflanzen, die einerseits mir, andererseits den Bienen Nahrung bieten, aber auch nicht kompliziert im Anbau sind. Zudem ist der Buchweizen eine gute Zwischenfrucht, wenn man im Vierfeldersystem arbeiten will.

      Die Gewächshaussaat des Buchweizen ist schon teilweise aufgegangen, was mich sehr freut. Dann habe ich mir Leinsamen besorgt. Den werde ich heute im Koloniegarten säen. Auch der ist eine gute Bienenweide und für mich deshalb so interessant, weil ich versuchen möchte Flachs zu gewinnen. Die Nachbarn dort hatten auch schon Lein gesät und der ist prima gekommen. Am liebsten würde ich einen Teil für die Samen und einen Teil für Flachs ernten. Ich habe noch ein weiteres Feld draußen im Wald. Da werde ich stickeln für Flachs. Alles ist nur versuchsweise, aber äußerst spannend.
      Ja und im Verbeifahren habe ich heute im Hjorten eine eher erschreckende Feststellung gemacht. Der See hat jetzt im Frühjahr schon wenig Wasser, so wenig, dass man Felsen sieht, die man sonst nur im heißen Sommer zu Gesicht bekommt. Es hat aber auch wenig geregnet. Das ist die eigentliche Herausforderung!!!!

      Danke für Dein Feedback und liebe Grüße aus Vv

      Beate

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  7. o dass das so schwierig gestaltet mit Garten bepflanzen hätte ich auch nicht gedacht und auch mit dem Wassermangel gut dass du Regentonnen hast. Ich bin mal gespannt wie es weiter geht was du raus findest und auch was wird wachsen und gedeihen und hoffentlich keine zu grosser Wassermangel!
    Das letzte Foto ist wunderschön fotografiert herrlich wie sich alles spiegelt im See!
    Lieben Gruss Elke

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  8. Liebe Elke,
    heute auf dem Heimweg bin ich am Hjorten entlang gefahren. Ich riskiere da immer einen kurzen Blick, ich kenne den See ja schon gut. Leider habe ich sehen müssen, dass der Wasserspiegel jetzt schon sehr niedirg ist. Man kann Felsen sehen, die sonst nie zu sehen waren und das schon jetzt im Frühling, wo der See eigentlich viel Wasser nach der Schneeschmelze haben müßte. Da wird jeder Regentag ein Feiertag!
    Naja, wir werden sehen, wie das wird.

    Lieben Gruß
    Beate

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