7. Juni 2016

Die "Rote Diva"

Ich begegnete ihr im Garten. Sie trug schickes Rot und das Ganze im Kontrast zum thujagrünen Hintergrund. Wie kleine Flammen saßen die Blüten darauf. Wer sich fragt, ob ich von einer extravaganten Dame spreche: Ja, das tu ich. Die Südamerikanerin stammt aus Chile, feurig und kapriziös aber irgendwie auch hart im Nehmen.

Die "rote Diva" hat ihre Verwandten im Pflanzenreich, in der Familie der Kressen. Als spektakuläre Pracht-Kresse mit dem botanischen Namen -Tropaelanum speciosum- klettert sie im Urwald an anderen Pflanzen empor, Richtung Sonnenlicht. Die Vorliebe für ihren Standort hat sie hierher mitgebracht. Das ist wie bei den Menschen, die sich in der Fremde Orte suchen, die der Heimat ähnlich sind. Man hält es dort am besten aus.

Voller Stolz zeigten mir die beiden älteren Herrschaften ihren Neuzugang im Garten und ich war ehrlich angetan. Ich erfreue mich sonst keiner besonderen Sammelleidenschaft für Pflanzen, aber die Diva aus dem Urwald begann mich zu interessieren. Und so fragte ich meine botanisch bewanderten Bekannten über die Südamerikanerin aus.

Was ich da hörte war allerdings alles andere als für schwedische Klimaverhältnisse Erfolg versprechend:  Die selten käuflich zu erwerbende Pflanze ziert sich in den ersten Jahren mit dem Wachstum. Bevor sie so richtig gedeiht, möchte sie begraben (?) werden. Sie wird erst einigermaßen winterhart, wenn sie sich an ihrem neuen Platz gewöhnt hat, - usw., usw. .

Das alles klang nicht nach einer Pflanze, die in meinem Garten eine Chance hätte. Was mich schließlich dazu brachte in der Gärtnerei nach Exemplaren zu fragen, kann ich heute nicht mehr genau sagen, denn das ist schon über drei Jahre her. Die Besitzerin der Gärtnerei ließ mit Anfragen an den Lieferanten nicht locker und ich erkundigte mich in der Folge immer wieder einmal danach, wobei die Lieferung aussichtslos schien ... bis ich überraschend einen Anruf bekam: "Die "Eldkrasse", so ist ihr schwedischer Name, ist abholbereit."

Ehrlich gesagt, ich hatte nicht mehr damit gerechnet und mir darum keine weiteren Gedanken gemacht.

Ich war dermaßen überrascht, dass das "Wohin damit" völlig ungeklärt war  und die Diva erst einmal ein paar Wochen in einer Notunterkunft untergebracht werden mußte. Das Gewächshaus hat ihr anscheinend nicht schlecht gefallen, sie entwickelte zusehends größere Blätter. In der Zwischenzeit suchte ich in meinem Garten nach einem akzeptablen Platz.

Im Garten ist es da, wie im Leben. Man muss sich von alten Dingen verabschieden, bevor Neue ins Leben treten können. Ein Busch, der mir und der Eingangstür über den Kopf gewachsen ist wurde in einer zweitägigen Aktion mitsamt der Wurzel ausgegraben. Das schuf nicht nur Licht und Luft im Eingangsbereich, sondern Raum für die "Rote Diva" und ein bißchen Urwaldlichtungs-Flair im Norden.




die "Rote Diva" möchte tief eingegraben werden. Hier bin ich bei 40cm angelangt, das Minimum.



Und nun heißt es abwarten und Tee trinken, viele und große Tassen Tee. Es dauert Monate, manchmal Jahre, bis das kleine Pflanzenwunder an die Oberfläche gelangt. Und dann sollte es ungefähr so aussehen.

aus Curtis Botanical Magazin; William Jackson Hooker

Kommentare:

  1. Auf der Zeichnung wir die Verwandtschaft mit der Kresse deutlich, ich warte gespannt ab. Was die Natur einen lehrt, finde ich, ist Geduld und Einsicht - manches braucht einfach seine Zeit, nimmt sie sich, wenn man sie ihr lässt und beschenkt einen dann vielleicht. Und manche Pflanzen wollen oder wollen auch nicht in einem Garten wachsen. Das habe ich über die Jahre gelernt und es entspannt mich unglaublich. So wird es hier niemals nie ohne Gras und Girsch und Quecke & Co. und Schnecken sein, die mitwohnen und mitessen :oD
    Alles Liebe zu dir in den schönen Norden, Birgit

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  2. Die Arbeit am, im und für den Garten gehört zu einer der vielfältigsten, die mir bekannt sind. Mich fasziniert mein allmähliches Fortschreiten des Wissens um die Dinge, das Abwägen von Möglichkeiten und Methoden und damit das -in-Balance-halten-. Im Garten lernt man für das Leben.
    Giersch gibt es im Garten an der Wohnung nicht. Dafür Maiglöckchenheerscharen, wilde Brombeere und andere wuchernde Waldbewohner. Der Giersch wächst in meinem großen Garten und dort für alle anderen Gärten mit.

    Liebe Grüße
    Beate

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  3. Da bin ich auch gespannt wann sie und ob sie rauslucken will!!!
    Warum nicht ausprobieren man verliert ja nichts eher du die Geduld aber du weisst ja wo sie steckt und abwarten gehört auch ins Leben. Was neues zum gelingen zu bringen das wäre doch toll!
    Schön sieht sie aus auf der Abbildung!
    Lieben Gruss Elke

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