18. Juni 2016

Ein Mispelbaum zieht um - vom Ende eines Experiments

Wenn man lange genug wartet, gibt es manchmal ein kleines Wunder oder ein HAPPY END oder beides auf einmal. Mit Wollen ist da nichts getan, solche Ereignisse sind Fügung.

Am 12. Juni 2012, also vor fast genau 4 Jahren kaufte ich auf dem Gemüsemarkt in Linköping, der nächsten Großstadt, Früchte einer "Japanischen Wollmispel", bei uns kurz Mispeln genannt. Ich kaufte sie aus Neugier, weil ich noch nie welche gegessen hatte.

Meiner Experimentierlust Folge leistend, steckte ich sechs Kerne in Töpfchen mit Erde und wartete viele Wochen, bis sich tatsächlich grüne Keime ans Licht reckten. Alle sechs Keime bekamen Blättchen und wurden unterschiedlich alt. Einige gingen trotz gleicher Pflege ein, zwei verschenkte ich, bis im vergangenen Jahr ein Bäumchen übrig blieb. Es war in der Zwischenzeit fast einen Meter hoch.

Mir war längst klar, dass ich das Bäumchen nicht behalten kann, suchte nach einem geeigneten Platz, an dem es wenigsten eine Überlebenschance von ein paar Jahren bekommen könnte. Schlimmstenfalls hätte ich wohl Guerillagärtnerei betrieben und es im warmen Süden an geschützter Stelle eingepflanzt.

Der Zeitpunkt rückte näher, an dem eine Entscheidung zu treffen war. Inzwischen hatte ich mit meiner Mutter ausgemacht, dass das Mispelbäumchen im Eingangsbereich ihres Hauses einen Zwischenaufenthalt einlegen darf. Kein idealer Platz und noch immer im Topf beheimatet wäre auch das kein Dauerzustand, denn Japanische Wollmispeln können 7-12m hoch werden(lt.Wikipedia).

Nun kam alles ganz anders, wie das Leben eben spielt. Meine Japanische Wollmispel zieht um und zwar 400km weiter westlich an die Westküste Schwedens in die Nähe der Stadt Göteborg. Ein Trauerfall, eine Hochzeit, ein Umzug und die Bekanntschaft zu der Frau, die das alles betrifft, hat dem Baum die neue Heimat verschafft.

Ihr zukünftiger Ehemann besitzt einen großen Garten und ein ebenso großes beheizbares Gewächshaus, in dem, wie er mir erzählte, weitere Pflanzen aus dem Mittelmeerraum beherbergt. Er selbst ist passionierter Botaniker und hat Beziehungen zum Botanischen Garten der nahen Großstadt. Wir brauchten nur wenige Minuten, um überein zu kommen. Das Bäumchen macht derzeit einen sehr guten Eindruck, mit vielen frischen hellgrünen Trieben und großen hellgrünen Blättern, ohne Schädlingsbefall und frisch umgetopft!

Eine Viertelstunde später lag das Bäumchen im Auto, ich war den Tränen nahe, durfte noch ein paar Fotos machen und dann wurde es davongefahren.

Adjeu, mach es gut, kleine Mispel und Deinen neuen Besitzern viel Freude mit Blüte und Früchten.


Kommentare:

  1. Hallo Beate,
    ein schönes Happy End für diese prachtvolle Pflanze!
    VG
    Elke

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    1. Was bin ich froh um diese Möglichkeit. Ich denke, sie ist in guten Händen.

      Gruß
      Beate

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  2. Das Bäumchen ist so schön, ich hätte mich auch schwer davon getrennt. Aber es ist wie mit den großgewordenen Kindern: Hauptsache, es geht ihnen gut (auch wenn sie einem ab und an ein bisschen fehlen)!
    Vielleicht kannst du - trotz der 400 km - dein Mispelkind ja mal besuchen?
    Grüße und ein schönes Wochenende,
    brigitte

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    1. Ja ein Besuch wurde schon angedacht, wenn die Dame des Hauses sich eingelebt hat. Mal sehen, ob es wirklich zustande kommt. Mispeln sind seltene Bäume hier, irgendwo las ich, im Süden (Schonen) gibt es wenige Exemplare. Insofern ist es eine Rarität.

      Grüße und Dir ein Wochenende mit freudvollen Momenten
      Beate

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  3. Wie viel diese winzigen Samenkerne in Gang gesetzt haben - äußerlich wie innen. Vielleicht ist die Geschichte auch noch nicht zu Ende geschrieben.
    Alles Liebe zu dir, Birgit

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  4. Das ist durchaus möglich, liebe Birgit. Etwa ab ihrem fünften Lebensjahr blühen Mispeln. Das wäre im nächsten Jahr und ein Grund für einen Besuch, sollte sich das Bäumchen, wie die Dame im neuen Zuhause eingelebt haben. Es bleibt tatsächlich spannend.

    Liebe Grüße aus Vv
    Beate

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  5. der hat einen guten und schönen Platz jetzt und du kannst ihn besuchen gehen da sist ja spannend und toll das ist ein wahres Abenteuer durch dein Hegen und Pflegen.
    Zu erleben wie sie wächst und blüht!
    Kein Abschied eher Pflegschaft in andere Händen!
    Lieben Gruss Elke

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  6. Manchmal fügen sich die Dinge und das ist immer schön. Deine Mispel wird es gut haben, ganz bestimmt.
    Lieben Gruß
    Katala

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