14. Juni 2016

Von Bienen, Mäusen und anderen Geschöpfen

Es war hier schon immer irgendwie anders. Sobald man von der Straße abzweigt "verschwindet" man im Wald. Der Weg windet sich hindurch, hinauf auf die kleine Anhöhe, nicht ohne vorher ein kleines Tal zu durchqueren. Der felsige Hügel ist eine Inlandsschäre, vor tausenden von Jahren eine Meerwasser umspülte Insel, wie es hier hunderte gibt. Der Boden ist felsig und sandig.




Es ist warm. Vom Motorenlärm wird eine kleine schwarze Ringelnatter aufgeschreckt. Hastig schlängelt sie sich auf die andere Wegseite. Ich bemerke sie im letzten Moment. Aber Schritttempo heißt es hier ohnehin. Seit der Bauer einen Teil des Waldes roden ließ, ist der Weg mehr denn je allen Wettern ausgesetzt.

Oben angekommen, zeigt sich das bekannte Sommerbild des Waldbienenhofes. Das warme Rotbraun von Haus und Scheune leuchtet vor der grünen Kulisse. Der Empfang steht bereit. Eine Bachstelze, seit Generationen jeden Sommer hier zu Hause, sitzt auf dem Dachfirst und singt ihr Lied. Dabei wippt sie aufgeregt mit dem Schwanz und blickt mit großen schwarzen Kulleraugen zu mir hinunter.



Auf dem Waldbienenhof leben grob geschätzt 100 000 Bienen. Das Summen, das Rauschen der Bäume im warmen Frühsommerwind, der Vogelgesang, verdichten sich zu einer einzigartigen,lebendigen Natursinfonie. Bereits jetzt fühle ich mich weit weg von Allem, was mit Menschen zu tun hat.

Die ersten Minuten verbringe ich auf der Bank vor dem Haus. Die kleine Bachstelze leistet mir Gesellschaft, fliegt zwischen den Dächern der Waldhofhäuschen hin und her und jagt nebenbei ein paar Insekten.

Immer wenn ich die Strecke aus der Stadt hierher fahre, habe ich "Arbeit im Gepäck". Auf dem Waldhof liegt mein dritter und kleinster "Garten", ein Beet, das ich vor Jahren zur Verfügung gestellt bekam, ein Freundschaftsdienst für eine (damals) gartenlose Gartenliebhaberin.


In diesem Jahr wachsen Lein und Buchweizen, wie im Garten in der Stadt. Die Gründüngung zwischendurch tut dem kargen Boden gut. Trotz Regenmangel wächst das Unkraut besser als die Pflanzen und droht sie zu überwuchern. Ich war eine Woche nicht hier. Was für den Buchweizen kein Problem wäre, ist für den Lein existenzbedrohend. Also mache ich mich ans Unkraut jäten.

Danach ist Mittagspause. Auf der Bank unter dem Sonnensegel mache ich es mir gemütlich, packe das mitgebrachte Essen aus und merke, ich werde beobachtet. Meine Augen suchen, bis sie in ein weiteres Paar schwarze Kulleraugen blicken, diesmal in Bodennähe.


Ich versuche die Fotokamera startbereit zu machen. Da ist das Mäuschen weg. Schade denke ich und lege die Kamera beiseite. Kurz danach sitzt die Schreckhafte wieder auf ihrem Platz. Nicht lange und ich weiß was sie will. Ja, auch bei Maussons wird zu Mittag gegessen. Der Schluck Wasser darf da nicht fehlen.


Während ich mir das obligatorische Käsebrot schmecken lasse, zieht sich das Mäuschen in die Waldrebe zurück. Dort warten saftige, frische Blätter, die so groß sind, als hätten wir eine 1.60m große Spinatpizza vor uns liegen. Allerdings hätten wir ein Problem diese so schnell zu essen. Eines um das andere Blatt wandert in den Mäusemagen.




Und weil die Maus nicht vom Blatt alleine lebt, "teile" ich mit ihr den Käse auf meinem Brot.


In Gesellschaft isst es sich halt angenehmer. Es hat ihr gefallen. Wir saßen dann noch eine Weile gemeinsam da, schweigend und schauten und hörten den Tieren auf der Lichtung zu.

PS: Ich war so aufgeregt, dass ich mir den Objektivwechsel (ich benutze das kleine Tele) verkniffen habe. 


Kommentare:

  1. was soll ich sagen liebe Beate ich bin sehr berührt von diesem Erlebnis zu deinem kleinsten Garten und deinen Mitbewohner dort ... herrlich so nah und die Gefühle sind sehr gross in dir wenn du dort bist!
    Das w3ar ein shcöner an strengender für dich das sich gelohnt den Pflanzen wider Platz zu scHaffen. Eine Idylle pur!
    Lieben Gruss Elke

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    1. So weitab verhalten sich die Tiere zutraulicher, das macht diesen Platz noch bezaubernder. Ansonsten hat man wirklich Ruhe, wenn man will und das ist heute schon selten. Ich genieße das.

      Gruß aus der Idylle
      Beate

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  2. Finde auch, dass das wirklich ein toller Ort ist...wie schön, dass Du dort sein kannst.
    Und was für eine süße Maus ;)
    LG

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    1. Ja, das ist ein liebenswertes Fleckchen mit einer besonderen Lage.

      Gruß aus dem Norden
      Beate

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  3. Ich bin ganz bezaubert von Flora und Fauna in diesem zauberhaften Waldgärtchen!
    Grüße bitte Frau Mausson von mir, wenn sie sich wieder einmal blicken lassen sollte.
    Brigitte

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    1. Ja gerne :-)

      Dort oben kann man Beobachtungen machen, die selten sind. Das Verhalten der Tiere ist weniger menschenscheu. Tatsache ist, ich musste selbst erst die Scheu (Phobie) vor bestimmten Tiergattungen ablegen, bevor ich den sommerlichen Aufenthalt genießen konnte. Dort oben funktioniert das.

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  4. Durch die wachsende Neugier am Getier legt sich die Scheu und ich glaube, das spüren die Tiere. Solche Momente sind Schätze.
    Dein Buchweizen begeistert mich sehr. Bislang haben wir die Körnchen nur im Brot oder gemahlen in Pfannkuchen gegessen.
    Ich würde euch so gerne etwas vom Regen abgeben. Sei's drum.
    Mach's gut, Birgit

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  5. Es hat zum Glück in der Zwischenzeit auch hier ab und zu ausgiebig geregnet. Der Ausgleich ist noch nicht ganz da, aber "wir arbeiten dran" :-)
    Die "Kür" mit dem Buchweizen ist vorbei, jetzt wird es ernst. Ganz viel Handarbeit ist jetzt gefragt und das ist wiederum eine Zeitfrage, nachdem die Kirschernte ansteht. Also werde ich meinen Buchweizen, der im Topf seiner Zeit voraus gereift ist ernten und dann die Pflanzen auf ein abgeerntetes Beet ausbringen: Gründüngung aus dem Blumentopf sozusagen. So sieht es im Moment aus.

    Euch auch eine gute Zeit, liebe Birgit
    Beate

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