25. Juli 2016

Küche, Kirschen und Quinoa


"Ernte gut - alles gut" hätten die Menschen vor einhundert Jahren im damals armen Småland wohl am Ende eines arbeitsreichen Sommers resümiert, hätten die rissig-rauen Hände für ein paar Minuten in den Schoß gelegt und der rotglühenden Sonne zugesehen, wie sie langsam aber stetig hinter dem Wald verschwindet.

Recht hatten sie damit. Konnten die Scheuern und Vorratskammern von Mutter Natur in Zusammenarbeit mit der eigenen Familie gefüllt werden, hatte der lange, harte Winter einen Teil seiner Schrecken verloren.


Die ungewöhnlich üppige Blüte kündigte bereits im Mai eine außergewöhnliche Obsternte an. Damals sagte ich ungläubig den Kopf schüttelnd: "Wenn jede Blüte eine Kirsche wird, dann kommt da Einiges auf uns zu." Jetzt sind wir mittendrin und ständig zwischen "Himmel und Erde" unterwegs. Schweißtreibend ist es, den Baum von seiner süßen Last zu befreien. Und das mit dem Pflücken ist ja erst der Anfang.


"Vogelbeeren" sagen die Leute in Schweden zu den kleinen Kirschen. Damit meinen sie auch, dass sich die Mühe nicht lohnt: Zuviel Kern, zu wenig Kirsche. So kann und will ich nicht denken und ich danke es dem Baum, indem ich seinen Früchten Aufmerksamkeit schenke. Herausforderungen machen erfinderisch. Wir entdeckten, dass die Essstäbchen aus Hongkong wunderbare Kirschkern-Entferner sind. Nach 5 Übungskirschen bekommt die Arbeit meditativen Charakter. Und nur so übersteht man Kilo um Kilo :-).

Die Kirschen wurden eingefroren, ein anderer Teil zu Marmelade verarbeitet. Was wir jetzt noch ernten, soll Kirschsaft werden. Ich habe mich an selbstgemachtem Kirscheis probiert, Geschmackszusätze, die meinen Vorstellungen entsprechen sind hier leider gar nicht oder schwer zu bekommen. Der erste "Eis-Versuchsballon" ist essbar, aber nicht wirklich gut. Es bleibt bei den althergebrachten Verarbeitungsmöglichkeiten.

Quinoa mit frisch entsteinten Kirschen, eine erfrischende Mahlzeit  im Hochsommer


Kommentare:

  1. Liebe Beate, da sist wirklich Arbeit diese Beeren zu pflücken aber es ist essbar und warum nicht die Aufmerksamkeit geben... toll und mit Quinoa ist das ein tolles Essen ich mag das auch leicht im Bauch und viel Vitame bei den zwei Lebensmittel!
    Lieben Gruss Elke

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  2. Liebe Elke,
    wir haben etwa 35kg gepflückt und verarbeitet oder gegessen. Auf dem Baum hing das 3 bis 4-fache, nur leider so, dass wir nicht weiter pflücken konnten. Einen Mehraufwand wollten wir nicht betreiben (Hubwagen etc). Das ist nicht schlimm, denn die Krähenvögel holen sich den Rest. So viele Kirschen, wie in diesem Jahr, habe ich seit meiner Kindheit nicht gegessen.

    Herzliche Grüße,
    Beate

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  3. Aah, da werde ich gleich etwas neidisch - wir hatten in meiner Kindheit einen kleinen Kirschbaum mit köstlichen hellroten Kirschen im Garten, aber leider musste er den Teichbauplänen meines Vaters weichen...
    Bei "Kirschsaft" muss ich sofort an eine Stelle in "Kinder aus Bullerbü" denken, in der Geschichte von der Kirschen-Verkaufs-Gesellschaft (ich gehe davon aus, dass du sie kennst): Da sagt Ole: "Wie merkwürdig, dass meine Kirschen jetzt Kirschsaft werden, und ich selbst werde kein Kirschsaft!" Ich habe meinem Jüngsten oft und oft aus diesem Buch vorgelesen, er konnte nie genug davon bekommen, und an dieser Stelle hat er sich regelmäßig gekringelt vor Lachen (und ich natürlich mit). :-)
    Ich merke gerade, dass ich das Vorlesen vermisse...

    Sommergrüße! Brigitte

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  4. Ganz witzig, dass Bullerbü nur 70km von hier weg ist und eigentlich Sevedstorp heißt. An die Kirschen-Verkaufs-Gesellschaft kann ich mich nicht mehr erinnern, eher an die Kirschengeschichte von Michel aus Lönneberga (ist in der gleichen Gegend). Ich weiß gar nicht, ob die Geschichten von Astrid Lindgren bei den Kindern heute noch aktuell sind.
    Mit den Büchern aus unserer Jugend kommen viele Erinnerungen hoch, das geht mir auch so. Einen Kirschbaum hatten wir auch im Garten und er sah dem in unserem schwedischen Garten sehr ähnlich. Nur die Kirschen waren damals etwas größer (oder nur in der Erinnerung? :-) ).

    Herzlich grüßt Dich, Beate.

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    1. Oh ja, Michel und das besoffene Knirpsschweinchen... herrlich!
      Bei uns war Astrid Lindgren topaktuell (was natürlich an meiner Liebe und Verehrung für sie lag, und an dem unglaublichen Spaß, den das Vorlesen macht). Ich erinnere mich, wie ich mich, sobald unser erster Sohn auf der Welt war, auf den Moment gefreut habe, wo ich ihm endlich "Kalle Blomquist" vorlesen kann.... und als es dann soweit war, waren das sehr glückliche Stunden. Meine Kinder wussten genau, dass sie beim abendlichen Vorlesen, wenn ich seufzend sagte: "Genug für heute!" nur ein winziges bisschen betteln mussten, damit es noch ein bisschen weiterging: "Haha, du willst es ja selber, Mama!" ;-)

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  5. "Ernte gut, alles gut" war Lebensgrundlage damals und ist es in vielen Gebieten heute noch. Seit "Die Wand" sehe ich pflanzen und ernten mit noch anderen Augen. Es IST Mühsal und die Hände SIND rau und rissig, ja. Durch 24/7 und all inclusive vergessen wir allzuleicht, was es bedeutet zu ernten und selbst für Vorrat zu sorgen. Backen, kochen, einwecken, ich bin froh, dass ich Eltern und Großeltern als Kind helfen und so ihr Wissen aufnehmen dürfte. Heute erleben unsere Kinder das wiederum. Ein so reicher Kirschbaum, wie er bei dir steht ist ein Segen auch wenn die Kirschen klein und die Kerne groß sind. Wenn ich an Michel und Kirschen denke, fallen mir die beschwipsten Hühner ein! Hab eine gute Zeit, Birgit

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