30. August 2016

Svensson&Svensson - der 12tel Blick #8


"Hunnsdoch (Hundstage) senn dess widder"*, sagte man in meiner oberfränkischen Heimat. Wörter kommen aus der Mode, wie alte Hüte und so ist es altmodisch geworden, die drückend heißen Sommertage, an denen man schwitzt, ohne den Finger krumm zu machen, so zu nennen. Trotzdem, vor meinem geistigen Auge läuft dann immer ein Hund mit laaaaanger Zunge die Straße entlang ... .

"Rötmånad haben wir", sagte die schwedische Nachbarin neulich, als ich ihr kopfschüttelnd die grün-verschimmelten Zwiebeln zeige. Ich stutze und sie lächelt.
Manchmal werden sogar im Kühlschrank gelagerte Lebensmittel über Nacht von Schimmelpilzkolonien überzogen. Da gibt es nur noch einen Weg, nämlich auf den Kompost oder in die Mülltonne. Das schmerzt! Lebensmittel in der Mülltonne geht für mich sonst gar nicht. Zuerst verdächtige ich sogar den Kühlschrank.
Nach dem Institut für Sprach- und Heimatkunde ist der Rötmånad ein Zeitraum im Juli/August, in dem Wärme und Feuchtigkeit in hohen Maße dazu beitragen, dass Lebensmitteln verschimmeln. Nachdem die Sonne zu Beginn dieser Zeit in der Nähe des Sirius im Sternbild "Hund" steht, wird der Rötmånad" auch die "Hundstage" genannt.
* Für alle Nicht-Oberfranken : "Hundstage sind das wieder".




Der 12tel Blick geht zu "Tabea", wo es mehr 12tel Blicke zu sehen gibt.

25. August 2016

Bienenstich, die dritte

Autsch,- das ging ans Auge!

Wer bei der Gartenarbeit so viel schwitzt wie ich, sollte vorsichtiger sein als ich, wonach er schlägt. Insekten halten perlenden Schweiß für ihre ideale Feuchtigkeitsquelle und der Reflex galt einer Fliege, die keine war. Bei 27°, mitten bei der Arbeit, handelt man diesbezüglich leider gewohnheitsmäßig. Aber Bienen fühlen sich durch solche Bewegungen bedroht und stechen.

Glück im Unglück: Es war keine Wespe. Die Biene stach zwei Zentimeter unterhalb und nicht noch näher am Auge zu. Es war jemand da, der den Stachel samt Giftblase entfernte. Die Einstichstelle schwoll sofort. Mittel für Erste Hilfe sind mitten im Wald nicht vorhanden. Ziemlich blöd das Ganze.

Bisher stachen mich Bienen zweimal in den Unterarm. Ok, es tut weh, ist aber, da ich nicht allergisch bin, halb so wild.

Mit der Einstichstelle so nahe am Auge war mir dann doch etwas mulmig zumute. In Schweden meide ich, solange es geht, Arztbesuche, ich habe da meine Erfahrungen. Nun war ich doch gezwungen seit langem wieder mal auf den schwedischen sjukvård zurückzugreifen, woanders als normalerweise, denn der Waldhof liegt recht weit außerhalb.

Aber auch da hatte ich einen guten Tag erwischt: sehr freundliches Personal, ich kam sofort dran. Das PC-System konnte meine Daten problemlos verwalten, ohne den mistigen Hickhack, den ich an der Stelle immer schon hatte : "Was, Sie haben keine Personennummer?" "Nein ich bin Deutsche, da hat man keine Personennummer" .... usw.

Heute werde ich schnellstmöglich weitergereicht: von der Unterschwester zur Krankenschwester, dann zum Arzt, der mit mir ein wirklich astreines Schwedisch spricht, das ich sehr gut verstehe. Die Sache ist bald geklärt, er verschreibt mir Tabletten, die die Schwellung mindern und ich bin beruhigter.

Puh! Jetzt ist erst mal Pause angesagt. Mal sehen, ob ich morgen aus dem Auge schauen kann.



13. August 2016

Was sucht der Magen im Gehirn? - In heaven

Kolmården. Dort war ich vor 20 Jahren das erste Mal. Die Verwandlung vom Safaripark zum Tivoli der Ostküste hätte extremer ausfallen können, aber nicht besser!!

Was sucht der Magen im Gehirn? ... ... und das Herz in der Hosentasche?

Nach der Betrachtung der Fotos stellen sich die Fragen nicht mehr. Mir jedenfalls sind beim Anblick der Bilder im Reallife diese Gefühle sofort präsent gewesen, der Adrenalinkick funktioniert im Kleinen bei mir auch schon so.

Früher, ja da war "alles" anders. Jetzt streiten sich hinter meinen Kulissen "Mut" mit "Vorsicht" doch ganz gewaltig. Also erst mal schauen, auf sich wirken lassen und fotografieren. Und dann? Das nächste Mal,- vielleicht. :-)










Mehr Himmelsevents sind bei "In heaven" der Raumfee  zu sehen

3. August 2016

Unterwegs im Uknatal

Das Uknatal liegt nicht weit. Man braucht ungefähr eine dreiviertel Stunde mit dem Auto, etwas abseits vielbefahrener Straßen.

Das Tal führt von Nordwest nach Südost und folgt dem eiszeitlichen Gletscherfluß , der es geschaffen hat. Wenn man heute hindurch fährt, überraschen die landschaftlichen Veränderungen innerhalb weniger Kilometer.

Zuerst sieht das Tal so aus, wie die Umgebung meiner Wahlheimat-Stadt: Dichter Wald und hie und da steile Felsen, an deren Füßen oft Seen liegen. Meist bedrängt der Wald die Straßen, kanalisiert den Blick und übt einen gewissen Druck auf das eigene Innere aus.


Um diesem "Druck" wieder einmal zu entfliehen, fährt man ans Meer oder ins Uknatal. Dort kann der Blick über die Landschaft schweifen, Felder und Wiesen reihen sich aneinander, der Wald zieht sich zurück. 

Im Talgrund drängt sich alles was "fließt": Straße, Schiene und Flüßchen.


Einmal bin ich zufällig hier durchgefahren und habe mir vorgenommen, in einem Sommer wiederzukommen. In einem Tal wie diesem, haben sich während der Industrialisierung Schwedens Handwerksbetriebe entwickelt. Schnell wurde der eine zum Herrn, der andere zum Knecht.
Sägewerke, Mühlen, Schmieden und diese Gerberei stammen aus der Zeit.


Ich selbst bin in einer Gegend aufgewachsen, in der die Leute ihren Broterwerb bis in die sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts in Gerbereien und Färbereien fanden und weiß, wie belastend die Verarbeitungstechniken der damaligen Industrien gewesen sind.

All das gehört zum Glück der Vergangenheit an, aus der sich die Idylle formte, so als wäre alles nur ein schlimmer Traum gewesen.

Industriemuseen reihen sich nicht nur im Uknatal aneinander. Hier hat kein Krieg Altes verlöscht, Rekonstruktionen sind nicht nötig. Von der alten Gerberei bekommen wir dennoch nur einen äußeren Eindruck, da sie nicht geöffnet hat. Ein Blick durch das Fenster und die Möglichkeit sich frei auf dem Gelände zu bewegen, entschädigen auf jeden Fall.


Und man macht so sein Entdeckungen. Er ist sicher kein Angst-Hase!