29. September 2016

Svensson&Svensson - der 12tel Blick #9



Der Durchschnittsschwede verkauft im Alter sein Haus und zieht in eine Wohnung. Überhaupt ist ein Großteil der Schweden problemlos "laufend auf dem Sprung". "Er" zieht gut und gerne öfter mal im Leben um, meist der Arbeit oder der Liebe wegen.

Haus/Hof/Wohnung zu kaufen oder zu verkaufen ist keine große Sache. Lediglich persönliche Dinge werden mitgenommen. Auch hierin ähnelt das Land der Mitternachtssonne den US-Amerikanischen Gepflogenheiten.

Grundsätzlich ist es ja auch nicht schlecht, den Wohnraum den Lebensumständen anzupassen, möglichst zwanglos und unanstrengend. Aber, dementsprechend oft wechseln die Nachbarn. So wenig die Menschen sich mit den WOHNorten verwurzeln, so kurz ist das Haltbarkeitsdatum unter "Freunden".




Der 12tel Blick Nr.9 zu sehen bei Tabea 

26. September 2016

Adieu, Sommer!

Wieder ein Sommer, der "mir nichts - Dir nichts" zu Ende gegangen ist. Diesmal hat eigenartigerweise das kommende Frühjahr gleich mit begonnen. Was soll ich sagen:

Die Erdbeeren blühen und in Nachbars Garten gibt es frische Erdbeeren vom Strauch, als hätten wir demnächst Mittsommer. Es sind nur ein paar, ich durfte zwei probieren. Sie schmecken wie im Juni.

               


In der Rabatte nebenan halten die Roten Johannisbeeren mit einem dunklen Weinrot dagegen und zeigen, was wirklich ist. Wirklich?

Lein- und Buchweizen, meine Sommerprojekte, haben eigene Wege eingeschlagen und das sind nicht immer die, die ich "im Auge" hatte. Eigentlich folge ich den Pflanzen nur in dem, was die Natur mit ihnen macht. Ich beobachte, staune, reagiere und freue mich über das, was daraus bereits geworden ist.

Ich bekomme auch etwas dafür. Die Samen der Pflanzen decken den Bedarf an Saatgut für das nächste Jahr. Auf meinem großen Gartengrundstück wird es auch im folgenden Sommer Buchweizen und Lein geben, die als Gründüngung fungieren. Die Erde ist ein lebender Organismus, dier ihre Auszeiten braucht. Die gönne ich ihr.


Aus dem Buchweizen Mehl zu mahlen, ist wohl in tagelanger Handarbeit möglich. Die Körner an den Stängeln haben alle möglichen Reifegrade. Ungeschält sollte er nur in kleinen Mengen verzehrt werden, weil die Schalen Stoffe mit Unverträglichkeitsrisiko enthalten. Da wäre es gut einmal über die Grenzen zu schauen, dorthin wo der Buchweizen zu den Grundnahrungsmitteln zählt.

Der Lein liegt und hängt inzwischen. Zwei Anbauflächen (im Waldhof und im großen Garten), zwei Erntezeiten, zwei unterschiedliche Fortschritte in der Weiterverarbeitung haben sich daraus ergeben.
Die Trockenzeit (im hängenden Zustand) ist gleichzeitig die Phase, um schließlich alle Stängel miteinander weiterzuverarbeiten. Um Leinfasern zu erhalten müssen sie noch gebrochen, geschwungen, gehechelt und versponnen werden. Das ist noch viel Arbeit und zeigt auch, warum Lein für die Armen nicht erschwinglich war.


Selbstverständlichkeiten einmal nicht als gegeben hinzunehmen, das lehrt nicht nur den Umgang mit der Natur, sondern auch Dankbarkeit den eigenen Lebensumständen gegenüber.

17. September 2016

Der Rote Radler oder Gruß vom Himmel - "In heaven"

Die letzten Sommertage brachten wohlige Wärme rund um die Uhr. Eine Seltenheit in den Breiten, aber hochwillkommen. Sie brachten aber nicht nur ungewöhnliche Wärme, sondern auch noch ein lauschiges Badeplätzchen, von dem ich nur sage "Denn das Gute liegt so nah", quasi um die Ecke.

Abseits des Hauptwegs führt die schmale Straße nach Tättö, einem Inselchen mit Campingplatz. Sind die großen Touristenströme abgeflaut, ist es dort "gut sein". An diesem Tag wetteifern Himmel und Meer mit der Farbe "Blau". Das Meer ist für mich eindeutig der Gewinner, es sieht einfach lebendiger aus.







Auf dem Heimweg setzt dann der Himmel eines obendrauf und schickt den "Roten Radlerengel", ihr wißt schon, den, der dem Dienstmann Alois Hingerl vom Münchner Hauptbahnhof, im Himmel begegnet.






"In heaven", das Projekt von "Raumfee" Katja

13. September 2016

Gotlands "Nabelschnur" - die andere Seite!

- Ein kurzes Flackern und wir sitzen im Dunkeln -.

Das passiert ziemlich oft in stürmischen Zeiten schwedischer Wintermonate. Dann dauert es nicht lange und man sitzt nicht nur im Dunkeln, sondern auch im Kalten, weil auch die Heizung nicht ohne Strom funktioniert. Gut, wenn man dann wenigsten einem Holzofen einheizen kann.

Kein Wunder, dass man uns (mit relativem Stolz) erzählt: "So etwas sei in der Wahlheimatstadt äußerst selten".  Die Story bekamen wir zu Gehör just in dem Moment, als wir auf einem der ersten Spaziergänge vor den Stadttoren an diesem Schild vorbei kamen. Eine ganze Insel stromlos, ist schon ein Schreckensgedanke.

Genau hier ist also der Anfang der "Nabelschnur", die die Insel Gotland ausschließlich! mit Strom versorgt und deretwegen auch die nahe Wahlheimatstadt so selten unter Stromausfall zu leiden hat.

Wie ich ausgerechnet am Ende des Sommers auf so etwas komme? Deshalb, weil ich auf unserer Gotlandreise das andere Ende der "Nabelschnur" entdeckte. Reiner Zufall, aber wie das Reiseleben manchmal so spielt.

Der halb verregnete Tag in Visby zwang uns kulturell-touristisch zur "Aufgabe". Stattdessen unternahmen wir eine Spritztour in den Norden der Insel. Das war gut so. Ich liebe garde das Spontane auf Entdeckungsreisen.

Ganz spontan entdeckten wir so auch eine Bäckerei, die leckeren Kuchen aus ökologischen Zutaten im eigenen Café anbietet. Auf dem Festland ist da weithin Fehlanzeige. Wie überhaupt der ökologische Landbau auf Gotland überall kräftig Fuß gefasst hat.

Ein Stück weiter biegen wir von der Hauptstraße ab. Dann geht es durch hohe lichte Wälder in Richtung Ostsee. Auffallend sind die Felsformationen aus Kalkstein, die trotz Baumbewuchs an Raukare erinnern.


Die Bucht, die sich auftut, ist traumhaft und die Feriensiedlung im Wald nebenan, ist kein Wunder. In Strandnähe hat sich ein Restaurant auf Fisch und Krustentiere spezialisiert. Am Fuße des Steilabhangs liegen malerisch ein paar Fischerhütten, die das Traumbild vervollständigen.



Der Wunsch ein Stück Küste entlang zu laufen ergibt sich von alleine. Auf diesem Spaziergang entdecke ich dann die andere Seite der "Nabelschnur". Für mich im Moment der Entdeckung die Gedankenverbindung nach Hause.