26. November 2016

Rein zufällig?

Vom ersten Besuch in Rugendorf, vor vier Jahren, blieben jede Menge Bilder. An einem wunderschön sonnigen Herbsttag überraschte mich die kleine Gemeinde mit etlichen lauschigen, einigen interessanten und zwei, fast schon geheimnisvollen Orten.


Was gefällt, wiederholt man gerne. Oft gestaltet sich die zweite Begegnung aber anders. Gestern zeigte sich Rugendorf ohne Sonne, im Nebelgrau und in feuchtkalter Herbstluft. Voraussetzungen, die Stimmung und Erleben völlig verändern.

Nachdem ich beim ersten Besuch die uralte Linde einer näheren Betrachtung unterzog, war es diesmal die Kirche, der ich Zeit widmete. Die frische Fassade wirkte heute gegen den Himmel blass. Vielleicht fielen mir deshalb die sandfarbenen Ecksteine besonders auf.

Der Weg um die Kirche ist frei begehbar und ich konnte dem Bauwerk so nahe wie möglich kommen. Sandstein ist ein empfindlicher Baustoff, der auf sauren Regen mit Zerfall reagiert. Ich war deshalb über die Höhlungen im Stein nicht verwundert. Dann fand ich eine völlig andere Erklärung, deren Datum jede weitere Erklärung überflüssig macht: 12.4.1943.


"Die Kanona hot do untn gschtandn", erzählt die Frau in eindeutigem Oberfränkisch. Aus meiner Frage entwickelt sich eine kurze, intensive Unterhaltung über die Umstände, die Kirche, die Umgebung und ihrem, mit dem Ort verbundenen Leben.

Ein bißchen enttäuscht, die Kirche wieder verschlossen anzutreffen, weiß sie noch, dass der Küster, der früher gleich nebenan wohnte, diese schon mal für Besucher öffnete. Ich schloß daraus, ich hätte auch heute keine Chance. Die freundliche Begegnung lässt mich zumindest mit dem Gefühl, Wissenswertes erfahren zu haben, zurück.

Mein Weg führt mich über den Friedhof, von dessen Begrenzungsmauer man eine gute Aussicht über die fränkische Landschaft hat. Im Augenwinkel sehe ich jemanden an der Kirche entlang laufen und in einer der kleinen Türen, die rund um das Gotteshaus ins Mauerwerk eingelassen sind, verschwinden. Ich denke derweil daran, noch ein paar Bilder vom Haupteingang zu machen.

Dort hat ein steinerner Engel über der Tür mein Interesse geweckt. Ich habe sehr ähnliche als Avatar und neulich auf dem Blog von elisabetta wiedergefunden. Zufällige Ähnlichkeiten oder bedeutungsvolles Zeichen, wer kann mir eine Antwort darauf geben?
Das Fotografieren des Engels über dem Haupteingang beschert mir eine andere Begegnung und zwar die des Herrn, der auf der anderen Kirchenseite in der Tür verschwunden war. Nachdem ich nicht berufliches, sondern persönliches Interesse am Kirchenbau bekundet hatte und ihm die Story der verschlossenen Tür erzählt hatte, entpuppte sich der Herr als der Küster, dem es sichtlich Vergnügen bereitete, mir Zugang zum Kircheninneren zu verschaffen.

Kühler modriger Geruch schlägt mir entgegen, der den Restaurierungsbedarf ohne weiteres bestätigt und, es wird sich lohnen das Kleinod, das den Heiligen Erhard und Jakob geweiht ist, vor dem Zahn der Zeit zu retten. 6 1/2 Jahrhunderte gehen nicht spurlos, aber manchmal unauffällig vorüber.


21. November 2016

Zu schwarz für die Nacht!

Vor 11 Monaten stellte Frau "amselgesang" Neujahrs-Ufos vor, ein Projekt, das mich sozusagen wie magisch anzog, denn auch ich habe UFO's, die nichts mit, Zitat "Untertassen und außerirdischen Besatzungen" zu tun haben, wohl aber mit halbfertigen Strickprojekten, die seit -wer weiß wie lange- in wenig beachteten Nischen schlummern.

Da war dieser 3/4-fertige Herrenpullover, der mit mir schon vor 20Jahren auf Englandreise ging, der Stonehenge sah und das mystische Dartmoor. Er hat, eher zufällig, auch eine entsprechende Farbe, nämlich schwarz.

Schwarz, elegant und unempfindlich, war die Wunschfarbe und ich weiß tatsächlich noch, wie ich mich voller Freude auf die Arbeit stürzte. Das muss so sein, wenn man feines Wollgemisch für die großen Teile eines Herrenpullovers verstricken will.

Dann war irgendwann die Luft raus. Das passiert, wenn ich lange keine Zeit habe oder das Projekt ins Stocken gerät, weil ich Misslungenes auftrennen muss. Hier war mir beim Bügeln der Einzelteile ein nicht wieder gut zu machender Fehler unterlaufen. Das Eisen war zu heiß und übrig blieb ein bügeleisenförmiger, glänzender Abdruck. Der Enthusiasmus war für's Erste dahin.

Dieses UnFertige Objekt wollte ich nun unbedingt zu einem FO werden lassen, freizeittauglich und genau richtig für, wie wir zu sagen pflegen,"daheim-rum". In Gedanken sah ich mich bereits gemütlich unter meiner Leselampe mit extra gutem Licht sitzen und strickend die schwedische Nachmittagsdunkelheit vergessend die Winterzeit genießen.

Da hatte ich die Rechnung ohne meine Augen und ohne die Wollfarbe gemacht. Mehrere Anläufe und Augentränen ließen keinen Zweifel: Trotz Brille und gutem Licht war das Ganze einfach zu schwarz für die Nacht.

Vom schwarzen UFO habe ich mich inzwischen getrennt und mir dieses neue kreiert. Das sollte doch zu allen Tageszeiten und Jahreszeiten funktionieren und möglichst bald mein neuer Pullover sein.