9. Dezember 2016

Stille Momente



Geknickt



Gefallen



Gestrandet



Gewebt



Geschwebt



Frei Gefundenes, natur Gewachsenes und still Gelebtes aus der Wahlheimat 


1. Dezember 2016

Schön ist was Anderes

"Schön" oder "nicht schön" ist für mich hier keine Frage, bleibt aber meine Interpretation. Allerdings kann etwas "Nicht-Schönes" durchaus gleichzeitig interessant sein. So geht es mir mit dem Rugendorfer Schloss, einem der zwei geheimnisvollen Orte der Gemeinde. Als robust und ruppig würde ich den Anblick bezeichnen.



Das Bruchsteinmauerwerk versuchte bisher niemand zu verbergen, übertünchen oder gar zu verputzen. Es würde sowieso nicht lange halten und wahrscheinlich würde man das dem denkmalgeschützten Haus auch nicht zugestehen. Der Vierkantige, vierschrötig-klobige Bau hat nichts Liebliches, aber das macht ihn besonders.


Eine lange Reihe von Besitzern hat sich über die Jahrhunderte ganz oder teilweise in dem Schloss aufgehalten. Die Freiherren v. Guttenberg und v.Waldenfels gehören dazu, Familien, deren Namen heute noch Klang haben.

In diesen Tagen wird das Schloss wieder bewohnt, weil es wieder bewohnbar gemacht wurde, nachdem Experten eine Einsturzgefahr ausschlossen und Teile des Innenlebens renoviert wurden. Es entstanden Wohnungen. Welchem Standard sie entsprechen, blieb mir verborgen, welchem Stand die Leute angehören nicht, Menschen, die einem heute täglich in Rugendorf begegnen. Die Frau, mit der ich dieses intensive Gespräch über die nebenan liegende Kirche führte, ist im Rugendorfer Schloss geboren, wie sie mir erzählte.

Auffallend sind die vielen Fenster, die völlig uneinheitlich im Mauerwerk des hohen Gebäudes zu sehen sind. Da gibt es kaum von außen erkennbare Stockwerke. "Aus verschiedenen Epochen" stammen die Fenster, stand da zu lesen und das ein oder andere wurde bereits wieder vermauert. Unspektakulär auch der Eingang. Er unterstreicht weniger einen Schlosscharakter, als den einer Burg.

Das ist das Stichwort, denn das Rugendorfer Schloss wurde etwa zur gleichen Zeit erbaut, wie die Burg Epprechtstein auf dem gleichnamigen Berg. Unruhige Zeiten waren es allemal, in denen sich die Herren aus Kirche und Adel die Türklinke im fränkischen Land in die Hand gaben.