3. Januar 2017

Verschlafen!

Den Jahreswechsel habe ich verschlafen. Er findet so oder so statt. Die letzten Nachmittagsstunden des alten Jahres verbrachte ich diesmal anders, als all die Jahre vorher. Ich war im Wald.

Der Grund: Jahrzehnte lang fuhr ich an einer bestimmten Stelle auf dem Weg in die nächste Ortschaft, an einem Wegweiser vorbei, bei dem ich immer das Gleiche dachte: „Da sollte ich auch mal hingehen“. Vorbei gefahren und - vergessen war der Vorsatz. Vorsätze haben so etwas an sich, wenn die Gewohnheit mitspielt.

Diesmal standen die Sterne gut am blitzblanken Himmel. Ich erinnerte mich daheim plötzlich meiner Gedanken, packte meine Fototasche und fuhr bis zum Parkplatz, von dem aus ich genau dorthin gelangen konnte, wohin ich schon lange mal gehen wollte: Zur Ruine Oprode.


Die tiefstehende Sonne tauchte die Landschaft in ein unbeschreiblich schönes orangegoldenes Licht. Auf dem Höhenzug, den ich durchschritt, war es angenehm hell geblieben. Der Ausläufer des Fichtelgebirges ist eine niedrige, aber steile Bodenwelle. Von der Straße nimmt man sie kaum wahr und schon gar nicht die feinen Aussichtspunkte in den obersten Kammlagen.


Zur Ruine Oprode verwiesen einige wenige Hinweisschilder, ohne die wohl niemand hierher finden würde. Tatsächlich glaubt man schon daran vorbeigelaufen zu sein, bevor man die Ruine, ein paar Mauerreste mit Tor- und Fensterbogen, im Baumschatten erkennt.



An Jahreszahlen und anderen historischen Begebenheiten bin ich zwar durchaus interessiert, aber meist ist mir für's Erste wichtig, den Platz, die Umgebung wahrzunehmen ohne „störendes“ Faktenwissen.


Ein Foto der Infotafel ist für die spätere Erklärung genug.

In meiner Vorstellung war der Wald um die Befestigungsanlage damals gerodet. Ansonsten hätten Angreifer leichtes Spiel, denn um Verteidigung von Besitz ging es damals wie heute immer. Die Vertiefung eines Grabens auf drei Seiten um die kleine Burg, mache ich aus. Die vierte Seite schützt ein Felsabsturz. Kein Glas für Fenster, kein Licht, außer dem des Tages oder einer Feuerstelle in der Nacht. Kälte dringt mit dem Wind durch die Fugen. Was für ein Leben!

Ich mache mich auf den Rückweg, bin froh um die letzten Sonnenstrahlen, die mich bis zum Hochwald begleiten. Dann zeigt sich mir die Sonne ein letztes Mal im alten Jahr. Sie ist blut-, nein rubinrot! Das schönste, leuchtenste Rubinrot, das man sich denken kann.


PS: Es war ein recht kalter Nachmittag, die Wanderung hat mich müde gemacht. Vom eigentlichen Jahreswechsel habe ich NICHTS mitbekommen.

Ein Beitrag zu Juttas " Ich sehe rot"in "Meine Hobbywelt".




Kommentare:

  1. Liebe Beate,

    ich wünsche Dir für das neue Jahr viel Glück und Gesundheit und viele solcher herrlichen Fotomomente.
    So ähnlich ist mir das auch schon passiert mit Sachen, die man sich mal anschauen wollte. Wunderbar, dass Du es diesmal geschafft hast und für solchen einen grandiosen Sonnenuntergang hätte ich auch den Jahreswechsel hergegeben.

    Ich danke Dir ganz herzlich für Deinen wunderschönen Beitrag.

    Liebe Grüße
    Jutta

    AntwortenLöschen
  2. Liebe Beate..
    Auch ich wünsch dir alles Gute und schöne Momente und vor allen Gesundheit für das Jahr 2017.

    Diese Rubinen roten Strahlen sind fantastisch..und passen ja suept zum Thema.

    Herzliche Grüsse
    Elke
    -----------------------------
    https://promocia.wordpress.com/

    AntwortenLöschen
  3. Das war doch ein guter Entscheid, so eine Winterwanderung bei wunderschöner Aussicht.
    Das neue Jahr das uns hoffentlich allen wohlgesinnt sein wird ist ja noch lange.
    L G Pia

    AntwortenLöschen
  4. Das Jahr ist ja nun schon drei Tage alt, darum also nachträglich alles Liebe, Gesundheit und Heiterkeit für Dich und Deine Familie in diesem, neuen Jahr.
    Was für ein schöner Ort, diese Burgruine. Irgendwie verwunschen. Dafür hätte ich Silvester auch ausfallen lassen. Ist auch nicht so mein Fest.
    Lieben Gruß
    Katala
    P.S.: Den Weihnachtsgruß musste ich noch auf einem Fremdcomputer schreiben. Aber nun habe ich wieder einen eigenen.

    AntwortenLöschen
  5. Liebe Beate
    es fühlt sich was einsam an in der Stille an so einen Tag!!!
    Doch hast du es gebraucht sonst hättest du diese Wanderung nicht unternommen und selig bist du wie ein Kind hinübergeschlummmert.. ach das war auch sehr schön innerlich mit der eigenen geborgenen Wärme mit sich gewesen.
    Toll dieses schöne feurige Licht noch im alten zu sehen vielleicht der Abschluss für dich um das neue Jahr willkommen innerlich für dich zu fühlen...
    Ich wünsche dir alles gute und ich hoffe auch all das was aussenherum geschieht dass es ein gutes Ende nimmt!
    Lieben Gruss Elke

    AntwortenLöschen
  6. Jedesmal, wenn ich umgezogen bin in meinem Leben, kam ich ein bisschen in Hektik wegen interessanter Orte oder auch eines Museums, die ich in all den Jahren zuvor nicht besucht hatte - mit eben diesem Gedanken: Das sollte ich mir irgendwann auch mal ansehen. Und dann vergisst man es wieder, denn man hat ja noch soo viel Zeit... Im Urlaub dagegen nimmt man es viel genauer mit den Besichtigungen, denn die Zeit ist begrenzt.
    Das war ein schönes Silvesterprogramm und bestimmt sinnvoller als das sonstige Geknalle. :-)
    Dreikönigs-Grüße,
    Brigitte

    AntwortenLöschen
  7. Das ist nicht das schlechteste was Du da unternommen hast :)
    Wirklich schön! Ich mag auch so alte Plätze sie strahlen was ganz besonderes aus, kenne auch die Gedanken dazu (wie mag das Leben da gewesen sein ect.). Interessant :)
    Schön, dass Du da so gut für Dich gesorgt hast.
    Allerbeste Grüße

    AntwortenLöschen